Montag, 15. Februar 2010

Gastbeitrag von Farah: Transidentität

Farah transidente Reporterin
Farah Moderatorin und Reporterin
Ursprünglich hochgeladen von Michaela-W

Heute erkläre ich euch einmal warum ich eine transidente Frau bin und keine Transsexuelle. Eigentlich beschreiben beide Begriffe das gleiche Phänomen, aber mit Transsexualität verbindet der "Normalbürger" immer irgendetwas Sexuelles und man rückt transidente Menschen so immer in ein negatives oder zumindest anrüchiges Milieu. Die meisten transidenten Menschen sind aber Leute wie du und ich. Sie wollen unabhängig ihrer körperlichen Voraussetzungen so leben wie sie sich fühlen. Sie kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten und arbeiten in allen Berufsgruppen. Vom Uni-Professor bzw. der Uni-Professorin bis zum Bauarbeiter bzw. der
Bauarbeiterin sind alle Persönlichkeiten und Berufsfelder vertreten. Transidente Menschen "wechseln" in der Regel die soziale Rolle. Im Klartext heißt das: Transidente Menschen wollen so leben, auftreten, sich kleiden usw. wie sie sich fühlen, unabhängig von ihren körperlichen Merkmalen und physischen Voraussetzungen. Und das geht nur wenn man uns in unserer Identität anerkennt und uns nicht ständig in Frage stellt oder auf körperliche Merkmale festlegt und einschränkt. Ich bin eine transidente Frau. Das bedeutet: Ich fühle, lebe und handle als Frau. Wenn du mich als Frau allerdings in Frage stellst diskriminierst du mich aufgrund meiner Identität und das ist eine massive Menschenrechtsverletztung ! Menschenrechtsverletzungen an Transgendern (ein weiterer Begriff der das Gleiche meint: Trans=überschreitend, im Wandel sein; Gender=soziales
Geschlecht bzw. Geschlechtsrolle) müssen aufhören. Der Abbau von Vorurteilen kann nur über Wissensvermittlung und den persönlichen Kontakt stattfinden.

Kommentare:

  1. Ich habe selber ein Jahr mit dieser Frage herumgekämpft und gerade letzte Woche den Untertitel meines Blogs von "transident" auf "transsexuell" geändert. Der Grund dafür war, dass ich mich ursprünglich wie Du mit Recht sagst vom "sexuell" in diesem Wort lösen wollte, weil es einen falschen Eindruck erweckt. Aber nach langem Überlegen kam ich für mich zum Schluss, dass transident bedeuten würde, dass die Identität "trans" ist und genau das ist nicht der Fall. Bei uns ist das biologische Geschlecht "sex" falsch und nicht die Geschlechtsidentität "gender". Ich tue mich nachwievor schwer damit, weil "transsexuell" halt eben danach klingt, als ob wir ein sexuelles Problem hätten, weil hierzulande nicht verstanden wird, dass damit nur "sex" im Sinn des biologischen Geschlechts gemeint ist. Für mich ist es schlussendlich auch eine Absage an die falsche Definition "gender identity disorder", die als Vorlage diente für das Wort "Transidentität" hierzulande. Egal wie wir uns nennen, entweder es ist inhaltlich falsch oder wird falsch verstanden, da ist die Wahl echt schwer.

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  2. Hm,...also ich bin eine ganz einfach heterosexuelle Frau und habe mich bisher nie wirklich mit dem Thema, dass hier behandelt wird, auseinandergesetzt, was mit Sicherheit auch daran liegt, dass ich niemanden privat kenne, der transsexuell ( nennt es wie ihr möchtet;-) )ist.
    Ich denke, so wie es auch die Autorin des Beitrages erwähnte, dass der persönliche Kontakt sehr entscheidend für das Verständnis anderer Menschen für solche fälle ist.
    Ich finde es allerdings traurig, dass jemand, der sich so fühlt wie ihr, sich versucht so zu erklären wie ihr...immer darüber zu reden würd mir schnell unangenehm auffallen. Klar, da ist Gesprächsbedarf bei euch,...ihr wollt euch vielleicht austauschen, jemanden suchen, der ebenso denkt und euch auf Anhieb versteht...aber wenn ich mir vorstelle ich hätte sojemanden vor mir der über nichts anderes, als über seine nicht festgelegte Geschlechterposition spricht, dann würde ich mir in jedem Fall Gedanken machen, ob dies nicht wieder einer dieser Menschen ist, der nur Mittelpunkt der Gesprächsrunde sein will und die Aufmerksamkeit der anderen braucht, um sich wohl zu fühlen.
    Das unterstelle ich hier natürlich niemanden,...wir kennen uns ja auch gar nicht...aber das sind meine bisherigen Erfahrungen mit Menschen im allgemeinen,...völlig unabhängig wer sie sind und wie sie leben.
    In dem Zeitalter in dem wir heute leben dürfte euer Lebensstil kein Problem mehr darstellen und sollte nur selten auf Ablehnung stoßen.
    Ganz liebe Grüße,
    die Franka

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  3. Da kann ich Dich beruhigen, Franka, im privaten Umfeld fällt dieses Thema bei mir in der Regel nur dann, wenn es sich aufdrängt, sprich wenn jemand danach fragt oder ich wirklich gerade Neuigkeiten weitererzähle. Ansonsten bin ich eine Frau wie jede Andere und plaudere lieber über andere Themen. Aber so ein Blog beschäftigt sich genau mit dieser Frage und dann ist das Thema auch passend.

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  4. Achja noch was Wichtiges, Franka, ich persönlich erfahre im privaten Umfeld keine Ablehnung. Aber diese Gesellschaft ist nicht so tolerant wie sie sich gibt, viele von uns bekommen aufgrund ihrer Wesensart keinen Job, manche verlieren ihre Familien, Ausgrenzung von transsexuellen Menschen ist leider nachwievor Alltag, wenn auch nicht mehr so schlimm wie früher.

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  5. Hallo Farah,

    ich gehe einen ganzen Schritt weiter noch und bezeichne mich selbst schlichtweg als "Frau".

    Oftmals hab ich das Gefühl, dass viele "Probleme" erst dadurch entstehen, dass sich viele als "andere Art" Frau (Mann im umgekehrten Falle) sehen und damit "Probleme geradezu heraufbeschwören. Spaßhalber hab ich in meinem Blog mal kurz geschaut wie oft "Trans"-irgendwas als Wort da auftaucht auf der aktuellen Startseite. Ganze 1 Mal weil ich das TSG einmal ausgeschrieben habe. Mein Blog dreht und wendet sich auch um das Thema und doch schaffe ich es diese Wortproblematik ganz zu vermeiden. Darüber hinaus ist doch auch oft die Frage wie viele völlig uneingeweihte lesen unsere Blogs und können mit den Begriffen wirklich durcheinander geraten? Macht das wirklich so einen himmelweiten Unterschied ob ich sage ich bin Transsexuell, Transident oder Transgender? Im Zweifel und bei entsprechender Gelegenheit erkläre ich sowieso was genauer los ist.

    Wie jeder das handhabt ist natürlich jeweils persönlich zu sehen. Hauptsache man findet für sich eine gute Lösung :)

    Grüßles
    Theia

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  6. Hallo Theia, Hallo Franka,

    ich schließe mich Farah voll an und kann das deshalb tun, weil ich ebenfalls MzF-trans bin.

    Aus eigenen "Erlebnissen" weiß ich, dass in 4 von 5 Fällen unsere fachlich nicht informierten Gesprächspartner so tun, als ob sie mit diesen Fremdwörtern umgehen könnten, stecken uns aber -wenn wir das Wort "Transsexuell" benutzen- in die Schmuddelecke. Fällt hingegen das Wort "transident" dann signalisieren Stirnfalten des Gegenüber, dass Wissendefizite da sind: das Wort kennt "man" einfach nicht so ohne weiteres und es ist auch (noch) nicht negativ besetzt.

    Dass wir ständig über uns selber reden oder Dritte in solche Gespräch everwickeln wollen? Woher kommt eigentlich so eine Erkenntnis? Im Gegenteil: wir freuen uns, wenn wir übe ralles, bloß nicht über "das" ratschen können. Über "das" reden wir nur deshlab, weil unsere Gesprächspartner meist selber den Gesprächsfocus lenken ... Und wenn also Wissensdefizite beim Gesprächspartner -ausgelöst durch seine Fragen- sich zeigen, warum solten wir diese Fragen nicht beantworten? Nein WIR Betroffene reden mit Sicherheit nciht ständig über un dvon uns -- wir sind ganz normale "tickende" Mitbürger, die halt nur beim gefühlten und empfundene Geschlecht anders fühlen,als die meisten Menschen. Was ist da schlechtes dabei?

    Liebe Grüße
    Sophie

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