Freitag, 5. Februar 2010

Bin ich krank?

Bin ich krank, weil ich eine transidente Frau bin? Nach Ansicht mancher Zeitgenossen wahrscheinlich ja und wenn es nach den sogenannten Experten hier in Deutschland geht wohl auch. Transidentität wird in Deutschland immer noch als schwere Persönlichkeitsstörung eingeordnet. Frankreich ist, was diese wie ich finde diskriminierende und falsche Eindordnung angeht, einen Schritt weiter als wir hier in Deutschland, denn in Frankreich hat die Gesundheitsministerin eine Vorschrift abgeschafft, nach der Transidentität als Geisteskrankheit eingestuft wurde.
(http://www.shortnews.de/start.cfm?id=765101). Frankreich hat auch bei der WHO beantragt, die Einklassifizierung in die ICD-10 zu ändern (http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtsidentitätsstörung#Frankreich).

Aber ganz abgesehen von den ganzen rechtlichen und medizinischen Sachverhalten, fühle ich mich nicht krank. Nur weil ich mich als weibliches Wesen wahrnehme und mein Körper nicht zu den Empfindungen passt ist das meiner Meinung nach eben keine Krankheit. Was mich dann allerdings durchaus sehr belastet ist zum Beispiel, daß mich trotz meines Coming-Outs bei meinen Eltern, diese mich nicht als Frau akzeptieren wollen und ich zur Zeit eigentlich keinen richtigen Plan habe, wie ich ihre Akzeptanz erhalten könnte. Es zeichnet sich leider immer mehr ab, daß ich sie wohl oder übel mit den Tatsachen immer wieder mal konfrontieren muß, auch wenn sie mir unmissverständlich klar gemacht haben, das sie das nicht wollen. Da ich leider ziemlich harmoniesüchtig bin, ist das für mich sehr schwierig und ich bekomme im wahrsten Sinne des Wortes auch Bauchschmerzen deswegen.

Auch das ich zur Zeit noch ganz offiziell als Mann gelte und auch so zur Arbeit gehe, macht mein Leben nicht gerade einfach. Gut ich habe mich damit halbwegs arrangiert und so lange ich meine Gefühle diesbezüglich möglichst ignoriere und verdränge funktioniere ich auch ganz gut. Aber die Bemühungen während der Arbeitszeit möglichst so zu handeln, wie es von mir erwartet wird, ist vielleicht auch einer der Gründe, daß ich mich Gefühlsmassig immer wieder am Rande einer depressiven Verstimmung befinde und ich dann manchmal eben auch sehr schlecht drauf bin. Ob das besser werden wird, wenn ich dann als Frau zur Arbeit gehen werde, kann ich heute natürlich nicht beantworten. Wahrscheinlich gibt es dann wegen meiner Transidentität andere Probleme, die ich im Arbeitsalltag meistern muß.

Auch die noch sehr weit verbreitete Intoleranz bzw. Transphobie macht mir persönlich auch Angst. Auch wenn ich selbst bis jetzt recht wenig negative Erlebnisse gehabt habe, so bekomme ich doch so einiges von anderen transidenten Menschen mit. Auf der einen Seite möchte ich gerne die Akzeptanz von Transgendern in der Öffentlichkeit verbessern und dazu muß ich mich natürlich auch selbst in irgend einer Weise in die Öffentlichkeit begeben, auf der anderen Seite, möchte ich aber am liebsten einfach nur Frau sein und zwar so, daß ich eben nicht auffalle, vor allem nicht als transidente Frau. Dieses zwiespältige Gefühl fördert auch nicht mein Wohlbefinden. Wenn ich dann aber wieder sehe, wie stark heute noch die ablehnende Haltung, ja manchmal sogar Hass, gegenüber Transgendern besteht, fühle ich mich in der Richtigkeit meiner Bemühungen bestätigt, diese Ablehnung durch mein persönliches Mitwirken abzubauen. Letztendlich bin nicht ich krank, sondern unsere Gesellschaft. Ihr mangelt es an Verständnis, Respekt und Achtung vor den Mitmenschen und an gegenseitiger Wertschätzung.

Ich möchte hier jetzt nicht weiter darüber lamentieren, wie krank die Gesellschaft ist, denn wir Alle sind die Gesellschaft und wir haben es in der Hand ob die Gesellschaft gesund ist bzw. wird. Jede Einzelne, jeder Einzelne von uns kann versuchen die Welt ein klein wenig besser zu machen. Ja, das klingt jetzt vielleicht etwas pathetisch und weltfremd und ich bin auch nicht diejenige, die jeden Tag dieses Ziel verfolgt, aber wenn man es zu mindestens versucht, so erreicht man vielleicht doch, daß wir in einer Gesellschaft leben, in der man sich geborgen fühlt und in der man weiß, daß die Mitmenschen zueinander stehen und die Würde das Menschen nicht nur auf dem Papier geachtet wird, sondern ganz konkret im Alltag.

Kommentare:

  1. Nein, eine Krankheit im herkömmlichen Sinne ist trans ganz sicher nicht. Und eine Persönlichkeitsstörung? Das klingt sehr nach Geisteskrankheit. Also nein!
    Ich bin einfach trans, mehr nicht. Na und?

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  2. Hallo, Michaela !
    Dir geht es so, wie allen anderen Transgendern auch, es gibt Phasen in der Entwicklung zum anderen Geschlecht hin, in denen wir ALLES in Frage stellen. Am meisten uns selbst. Aus deinen Beiträgen in deinem Blog lese ich hin und wider heraus, daß du dir deiner Selbst nicht so ganz sicher bist und DEINEN D Weg noch nicht gefunden hast.Dadurch erscheint es dir so wichtig, was andere Menschen über dich denken, reden oder wie sie urteilen. Versuche doch zu einer Haltung zu finde, die heißt: ich bin ich! Du wirst sehen, daß dir daraus Stärke erwächst, mit der du alle anderen Probleme meistern kannst. Ich spreche aus eigener Erfahrung und wünsche dir Erfolg auf dem Weg zu deiner inneren Frau!
    Mit freundlichen Grüßen, Claudia.

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  3. Hallo Claudia,

    erst mal vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich wollte nur noch mal klar zum Ausdruck bringen, daß ich ziemlich genau weiß, wo die Reise hin gehen soll. Wie der genaue Weg zu meinem Ziel aber aussieht, ist natürlich nicht so klar. Ein paar Wegpunkt bzw. Meilensteine sind aber klar ersichtlich.

    Das es mir wichtig ist, was andere von mir denken ist leider ein Wesensmerkmal von mir, der wahrscheinlich durch meine Erziehung her stammt. Das ist natürlich nicht gerade gut für die persönliche Entwicklung, aber leider lassen sich diese Persönlichkeitsstrukturen nicht von heute auf morgen auflösen, aber sei versichert, ich bin bemüht, mich davon zu lösen.

    Auch wenn mein Beitrag einen kleinen Einblick in meine innere Zerrissenheit bietet, so weiß ich ziemlich genau wer ich bin und das ich auch das Gefühl habe, daß ich so wie ich bin auch in Ordnung bin.

    Liebe Grüße vom Bodensee,
    Michaela

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