Sonntag, 19. November 2006

Sonntagsspaziergang

Nach dem ich bei meinen Eltern zu Mittag beim Essen war, bin ich wieder nach Hause und habe mich noch ein wenig hin gelegt. Ich versuche mich zu entspannen und vielleicht sogar eine Runde zu schlafen. Immerhin bin ich erst um 3.00 Uhr heute Morgen ins Bett gekommen. Ich war gestern mit unserer alten Clique in unserer alten Stammkneipe. Anschliessend waren wir noch m Magic Blue, einem Tanzlokal für uns Ü30. Es lief hauptsächlich Musik der 80er Jahre, aber leider teilweise neu abgemixt, was nicht so prickelnd war. Meine beste Freundin K... hat mich dann noch nach Hause gefahren. Wärend ich also versuche mich zu enstpannen, kommen immer wieder die unterschiedlichsten Gedanken hoch. Soll ich heute Nachmittag noch eine Stunde auf dem Heimtrainer strampeln? Eigendlich wäre es mal wieder Zeit, aber ich habe gar keine Lust dazu. Als Alternative könnte ich ja auch eine Stunde spazieren gehen. Das Wetter ist zwar nicht so toll, aber immerhin ist es trocken und recht warm. Bei der Gelegenheit könnte ich ja auch als en-femme den Spaziergang machen. Aber das lohnt sich doch nicht, kommt sofort der Einspruch. Wenn ich heute noch Yoga-Übungen (Hatha-Yoga) machen möchte, muß ich mich danach ja abschminken. Andererseits, war ich gestern nicht in Ravensburg, obwohl ich mir das ja vorgenommen hatte. Ich möchte schon lange mal en-femme nach Ravensburg und dort einfach mal über den Wochenmarkt gehen und ein klein wenig bummeln gehen. Also, was soll ich anziehen? Soll ich nur in Jeans und Sneaker oder im Rock durch die Stadt? Wenn ich mich schon richte, dann möcht ich auch im typisch weiblichen Outfit ausgehen, auch wenn die Sneaker wahrscheinlich bequemer sind. Aber bis jetzt waren die Stiefel eigentlich sehr bequem und ich entschliesse mich, meinen schwarzen Cordrock (von Aldi), mein schokobraunes Shirt und obendrüber meinen schwarzen Anorak anzuziehen. Hoffentlich ist der nicht zu warm. Um 14.00 Uhr stehe ich als auf und fange an mich zu richten. Als erstes ziehe ich mir schon mal meinen BH an und anschliessend eine Strumpfhose. Jetzt schnappe ich mir mein Schminckköfferchen, sowie einen kleinen Spiegel und die Pinsel. Auf geht es zum schmincken. Raisiert hatte ich mich ja schon, bevor ich mich ins Bett gelegt hatte, damit die Haut sich auch entsprechend entspannen kann. Das schminken geht recht flott von der Hand und so gegen 15.00 Uhr bin ich auch mit allem fertig, nach dem ich mir noch den Rock und mein Shirt drüber gezogen habe. Als letztes kommt jetzt noch der Schmuck dran, Erst mal goldene Creolen, als Ohrringe und meine Goldkette und meinen goldenen Ring. Jetzt noch die Perücke überziehen und die Haare ein wenig in Form bringen und ich bin ausgehfertig. Ich schnappe mir meinen Haustürschlüssel und meine Handtasche. Bei mir stellt sich wieder die bekannte Aufregung ein, die ich jedesmal erlebe, wenn ich als Frau meine Wohnung verlasse. Aber es ist diesmal nicht so schlimm. Aber da ich keinen Termin habe, wo ich zu einer bestimmten Zeit sein muß, muß ich mir noch einen kleinen Ruck geben um mich raus zu wagen. Ich gehe also los und schliesse noch die Haustüre ab. Unten vor dem Haus angekommen, gehe ich, wie schon so oft, die Straße Richtung Innenstadt entlang. Ich gehe noch bei meiner guten Freundin K... vorbei um ihr eine DVD einzuwerfen, die ich für sie aufgezeichnet habe. Sie wollte den Konzertmitschnitt von Ramstein haben, der letztens auf MTV lief. Dort bei ihr vor dem Haus, kommen mir ein paar junge Mädchen entgegen, aber die ignorieren mich, wie die meisten anderen Leute, die mir auf meinem Spaziergang entgegen kommen. Ich komme recht gut vorwärts, auch wenn es ungewohnt ist, in Stiefeln zu gehen, die zudem noch einen kleinen Absatz haben. Am See an der Uferpromenade angekommen, schicke ich K... noch schnell eine SMS, um ihr mitzuteilen, daß sie was in ihrem Briefkasten hat. Danach, gehe ich weiter, fast bis zum Graf Zeppelin Haus. Dort angekommen, drehe ich um und gehe die Uferpromendade in umgekehrter Richtung entlang. Heute sind nicht so viele Leute unterwegs, da keine Sonne scheint, was mir nicht ungelegen kommt. Wie schon so oft, kümmert sich niemand um mich, auch wenn ich gelegentlich doch sehr nahe an den Leuten vorbei gehe. Keine seltsamen Blicke oder sonstiges gegaffe. Das ist schön und stärkt meine Selbstbewußtsein ungemein. In der Nähe des Parkhauses am See, kommt mir ein kleines Mädchen auf einem Roller entgegen gerollt und ich denke, sie will mich anfahre, Ich höre, wie sie zu sich selbst sagt, "auf die Dame aufpassen" und biegt vor mir ab. Das gefällt mir ungemein, Anscheinend ist mein Passing auch für kleine Kinder ganz passabel. Auf dem Nachhauseweg, merke ich, daß meine Stiefel wohl doch nicht so gut passen. Ich merke, wie sich an meinem kleinen Zeh des linken Fusses eine Blase entwickelt. Na ja, das werde ich schon überleben. Mein Ausflug hat ca. eine Stunde gedauert und ich bin froh und glücklich, daß ich mich raus getraut habe. Jetzt habe ich gerade noch einen Kaffee getrunken und schreibe diese Zeilen. Natürlich immer noch en-femme. Aber in ein paar Minuten werde ich abgeschminkt sein und werde Yoga machen. Heute Abend muß ich noch meinen Koffer packen, da ich nächste Woche auf einem Lehrgang bin. Ich hoffe, daß ich nächstes Wochenende wieder als Frau was unternehmen kann. Es fühlt sich einfach sehr ruhig und entspannt an, wenn ich Frau sein darf. Kurz gesagt, habe ich das Gefühl, das einfach alles paßt, auch wenn ich doch so manches Handicap habe ;-)

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