Dienstag, 16. März 2010

Gastbeitrag von Farah: Begegnen wir uns als Mann oder Frau?

Farah transidente Reporterin
Farah Moderatorin
und Reporterin

Ursprünglich hochgeladen
von Michaela-W
Für die meisten Menschen ist eines ganz klar, sie sind entweder Mann oder Frau. Das man sich trotz eines "eindeutig" männlichen bzw. weiblichen Körpers als dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt oder handelt ist für die meisten Menschen unvorstellbar. Sie begegnen sich im Alltag mit dem Wissen, das sie Mann oder Frau sind, waren und immer sein werden. Menschen, für die das gefühlte Geschlecht bzw. die Geschlechtsrolle, in die sie hineingeboren worden sind nicht passt oder in der sie sich unwohl fühlen haben oft niemand mit dem sie diese Dinge besprechen können bzw. bei dem sie sich angenommen und wertgeschätzt fühlen.
Dabei sind männliche und weibliche Rollenmuster nicht alle biologisch begründbar und vieles scheint anerzogen bzw. per Sozialisation erworben worden zu sein. Viele Menschen glauben auch sie müssten den Rollenerwartungen so entsprechen, dass sie versuchen alle männlichen und weiblichen Verhaltensweisen und optische Merkmale in sich zu vereinen.
Wir sollten uns alle mehr mit sogenannten männlichen und weiblichen Rollenerwartungen beschäftigen und uns der Konstruktion von Geschlechtsidentität bewusst werden. Durch dieses Wissen können wir Transgender auch einfacher akzeptieren und werden in unserer eigenen Geschlechtsidentität nicht verunsichert.
Letztendlich will doch jeder Mensch nur so behandelt werden wie er sich auch fühlt. Und wir können nur Mann oder Frau sein wenn der andere Mensch uns eben auch als Mann oder Frau einstuft.
Im Zweifel, sollte man unsicher sein, ob man es mit einem Mann oder einer Frau zu tun hat, kann man die andere Person fragen wie er oder sie sich fühlt oder als was er oder sie sich bezeichnet und wir alle sollten nicht vergessen: Die Würde des Menschen ist unantastbar !

Liebe Grüße sendet euch die transidente Moderatorin Farah

... transidente Frau bedeutet übrigens: Ich bin mit einem männlichen Körper geboren worden, fühle und lebe allerdings als Frau bzw. in der sozialen Rolle einer Frau.

Kommentare:

  1. Du sprichst etwas wirklich Interessantes an: Ganz unbewusst ordnen wir jeden Menschen, mit dem wir es zutun haben, entweder als Frau oder Mann ein. Und wir gucken solange hin, bis wir uns des einen, oder des anderen sicher sind.
    Deshalb war es für mich am Anfang schon immer besser, Röcke zu tragen, weil das oberflächlichen Beobachtern die Einordnung leicht gemacht hat und sie gar nicht näher hinschauten. Mein Passing war in Hosen schlechter, weil unbewusst geguckt wurde, femininer Mann, oder doch eine Frau. Meistens blieb es dann bei der Einordnung als "Schwuchtel", der Lieblingskategorie der Bildungsfernen...

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  2. Nota bene: das mit dem Einsortieren passiert so unbewusst, dass selbst bei den Gutwilligsten das aktive Bemühen um Toleranz für das Dazwischen ersteinmal an einem auf schnelles Einsortieren programmierten Hirn scheitert. Selbst Säuglinge reagieren agressiv und verunsichert, wenn man sie mit Personen konfrontiert, die nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen sind (es gab vor zwei Jahren ne Studie dazu).
    Deshalb geb ich Dir Recht, Svenja: man kommt problemloser durch den Alltagstest und das Leben danach, wenn man seiner Umwelt weniger Grund zu Zweifeln an der unbewussten Einsortierung gibt. Die meisten Menschen nehmen sich gar nicht die Zeit drüber nachzudenken, ob der erste Eindruck wirklich täuscht.
    Nur bei Kindern und pubertierenden Jungmännern wirds schwierig. Erstere kommen selbst denen auf die Vergangenheit, die schon "alles" hinter sich haben, Letztere suchen oft ganz gezielt nach "Opfern", die sie für ihr eigenes Ego abwerten können - aber darunter leiden dann auch viele ganz "normale" Frauen.

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  3. Jeder Mensch ist ein individuelles Wesen. Die Neigungen und Veranlagungen sind bei keinem Menschen identisch mit einem anderen Menschen. Es gibt keine reinen Frauen oder Männer. Selbst der stärkste Mann hat noch weibliche Anteile und umgekehrt. Bei TG-Menschen ist der Anteil vom „anderen Geschlecht“ eben weit höher als normal. Unsere heutige Gesellschaft hat im Gegensatz zu einigen früheren Kulturen hierfür nicht genügend Verständnis. Für sie gibt es nur Schwarz oder Weis. Die ganze Bandbreite der Farben die dazwischen liegt, und unsere Welt bunter und abwechslungsreicher macht, wird ignoriert. Man hat sich gefälligst in das Schwarz/Weis Schema einzuordnen. Die Aufgabe der Politik und der Kultur ist es zukünftig hier für einen Wandel zu sorgen. Wir befinden uns in dieser Hinsicht fast noch im „III. Reich“ oder in finsteren mittelalterlichen religiösen Zeiten.

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  4. @ Ute

    Ich finde dieses schwarz weiß denken gut ich bin selber ts ordne mich aber voll und ganz als Frau ein.

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  5. Hallo, Xtina!
    Ich glaube, dir ist da kleiner Verständnisfehler unterlaufen: Die Schwierigkeiten entstehen durch das Schwarz/Weiß-Denken der Menschen, die dich sehen und einordnen. Wo du dich selbst einordnest, spielt dabei keine Rolle.Gruß aus Kiel, Claudia.

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  6. "Mittelalter" oder "Drittes Reich" halte ich für etwas überzogen.
    Bis auf ein paar Pöbeleien auf dem Bahnhof oder vor einer überwiegend von jungen Muslimen besuchten Bar in Köln hab ich kaum hässliche Szenen gehabt. Feuerwehr, NABU, DLRG, Arbeitgeber (vom internationalen Spediteur bis zum Pressechef eines Bundesamtes), soziales Umfeld, Parteifreunde (ich habs immerhin zur Bundestagskandidatin und auf diverse politische Mandate gebracht): alles weitgehend unproblematisch, und das obendrein in der tiefsten Provinz.

    Ansonsten kommen mindestens 95% der Bevölkerung für sich selbst ganz gut damit zurecht, dass sie entweder Mann oder Frau sind. Dass die nicht sofort nachvollziehen können, warum eine Minderheit (eine Minderheit unter vielen anderen) auf ihr Recht irgendwo dazwischen zu stehen pocht, kann ich durchaus verstehen.

    Ausserdem war ich mir meiner Weiblichkeit von Anfang an sicher genug, dass ich solche oft etwas konstruiert wirkenden Zwischenidentitäten nie gebraucht hab. Vielleicht hat auch das mir das Leben erleichtert.

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  7. Nachtrag: Sogenanntes "Diversity Management", also die kluge Organisation einer Gesellschaft unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der Menschen, ist sicher eine der spannenden Aufgaben der Politik der kommenden Generationen.
    Die Weiterentwicklung archaischer menschlicher Instinkte kann sie dagegen leider nicht beschleunigen.

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  8. @ Claudia

    nein nein das stimmt so nicht.
    Das Geheimnis ist sich anzupassen und das mit allen mitteln, man kann sehr vwohl als TS gut in der Gesellschaft leben sofern man glaubwürdig rüber kommt.

    Was glaubst du wieso Svenja zb. keine großartigen Probleme hat? Weil sie wie jede andere Frau auch aussieht...

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  9. Zum letzten Satz: Ist es nicht auch entwürdigend, wenn man die anderen Person fragt, als was er/sie sich fühlt? Diese Frage könnte doch verletzend wirken, denn damit offenbart man, dass man die äußere Darstellung einer Person anzweifelt. Also ich finde es daher schwierig, wenn man sich nicht sicher ist... Wie könnte man in so einer Situation handeln, ohne die andere Person zu verletzen?

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