Montag, 24. Juni 2013

Die Verleihung des Grimme Online Award

Am Freitagabend ist der Grimme Online Award vergeben worden und von den Preisträgern fallen mir zwei ganz besonders auf, da sie sich von den bisherigen Preisträgerinnen abheben, wie ich finde. Das ist zum einen, die Verleihung des Preises an den Twitter-Hashtag #Aufschrei und zum anderen an den Podcast Soziopod. Warum heben sich diese beiden Preisträgerinnen nun von den bisherigen Preisträgerinnen ab?


Der Hashtag #Aufschrei


#Aufschrei erhielt einen Preis in der Kategorie Spezial unter anderem mit der Begründung, das eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über Alltagssexismus begonnen wurde und sämtliche Mediengrenzen übersprungen hat.

Ich finde die Aktion #Aufschrei hat es verdient, diesen Preis zu bekommen, denn wenn ich mir die Kommentare so unter dem Artikel der Süddeutschen Zeitung dazu mit dem Titel "Eine Aktion an der Trolle verzweifeln" anschaue, wird klar, daß diese Aktion sehr notwendig ist und hoffentlich noch lange anhalten wird. Denn sind wir mal ehrlich, durch diese Aktion wird nur auf Missstände hingewiesen, die schon seit sehr langer Zeit bestehen und die inzwischen für viele Menschen so normal geworden zu sein scheinen, daß man sie als ganz natürlich aufnimmt. Genau das ist ja das perfide an diesem Alltagssexismus, daß er im Alltag ganz normal passiert und sich niemand traut, etwas dagegen zu sagen, denn etwas dagegen zu sagen bedeutet auch jedesmal, die vermeintlich bestehenden Machtverhältnisse in Frage zu stellen. Bei Alltagssexismus geht es meiner Meinung nach meistens um Macht. Deshalb reagieren glaube ich auch ganz viele auf diese Aktion so beleidigt, da sie unbewußt merken, daß durch das öffentlich machen von Sexismus, ihre Position in der Gesellschaft angegriffen wird und meistens sind es die Männer, die sexistisch handeln und Frauen dadurch respektlos gegenüber treten. Ja es gibt sicher auch Sexismus von Frauen und ja, auch dies ist nicht in Ordnung, aber die meisten Übergriffe, wenn ich das so aus meinem Umfeld beobachte, kommen von Männern. Ich finde, es ist nicht in Ordnung, jemanden auf diese Art und Weise gegenüber zu treten, egal um welche Person es sich dabei handelt. 


Der Soziopod Podcast


Der Soziopod Podcast widmet sich in einem lockeren Zwiegespräch philosophischen und soziologischen Themen und führt in verständlicher Form in die Themen ein, so ein Teil der Begründung zur Verleihung an die Beiden Macher des Podcasts.

Ich habe bis jetzt, glaube ich jede Folge des Podcasts gehört und ich bin jedesmal wieder aufs neue Begeistert über die Themen, die Patrick Breitenbach und Nils Köbel besprechen. Man merkt den beiden an, daß sich die Themen, die sie angehen, interessieren und das sie auch eine Ahnung haben, von dem, was sie sagen. Ich habe durch die beiden bis jetzt einiges neues lernen können, gerade was Philosophie angeht, was mich zwar interesiert, aber ich noch nie auf ernsthafte Art und Weise angegangen bin. Das Nils Köbel an einer Universität lehrt und forscht, merkt man zwar, wie ich finde, aber dennoch muß man kein Soziologiestudium oder Philosophiestudium absolviert haben um den Gespräch der beiden Protagonisten folgen zu können. Mich hat es jedenfalls sehr gefreut, daß der Soziopod den Grimme Online Award erhalten hat und das er es ist, der als erster Podcast in der Liste der Preisträger aufgenommen wurde.


Dieser Blog beim Grimme Online Award


Die aufmerksame Beobachterin wird vielleicht festgestellt haben, daß mein Blog hier auf der Vorschlagsliste zum Grimme Online Award 2013 stand. Leider hat es mein Blog nicht geschafft nominiert zu werden und somit auch nicht den Preis gewinnen können. Ich weiß, daß persönliche Blogs bei dem Preis wenig Chancen haben, aber ich hoffe, daß mein Blog auch nächstes Jahr wieder auf der Vorschlagsliste stehen wird und vielleicht schafft es mein Blog ja auch einmal nominiert zu werden, es würde mich jedenfalls sehr freuen.


Kommentare:

  1. Ich habe mir die Nominierungen und die Gewinner angesehen und teile deine Meinung nicht, dass #aufschrei einen Preis verdient hat. Ich wollte zu dem Thema eigentlich noch was bloggen, habe es aber dann gelassen, weil da zu viele Emotionen hochgekocht wären, die mir nicht gut getan hätten.

    Ich finde es wichtig, dass man über das Thema Alltagssexismus redet. Aber die Diskussionen waren zu keinem Zeitpunkt konstruktiv oder sogar sachlich. Im Gegenteil, ich habe an einigen Dingen in der Ausführung des Projekts Kritik geübt und darum gebeten, das Thema differenzierter anzugehen und habe sehr SEHR negatives Feedback bekommen, bin beschimpft und bedroht worden.

    Also wie gesagt, es geht mir nicht um das Thema an sich, es geht mir explizit um die Aktion und wie sie gelaufen ist und wie sie als PR-Dingen gehandelt wird. Hatte damals direkt zum Aufschrei was gebloggt und meine Bedenken geäußert, aber ich denke, bei solchen Sachen ist es eben so, dass wenn man nicht mitschreit, dann ist man aussen vor und wird nicht angehört. Da muss ich jetzt mit leben und das ist okay.

    Für mich hat der GOP damit ein bisschen an Wichtigkeit verloren, denn ich hoffe bei solchen Verleihungen auch immer, dass man "dahinter" schaut und nicht darauf, was man möchte, das die Leute sehen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe die Aktion nicht in allen Einzelheiten verfolgt. Ich finde es jedoch sehr gut, auf die Problematik aufmerksam zu manchen und die Öffentlichkeit dafür zu sensiblisieren. Ich denke, das ist der Aktion gelungen und hat somit auch etwas bewirkt, ob sich dadurch langfristig etwas ändern wird weiß ich nicht, ich hoffe es jedoch.

      Löschen
    2. Das sehe ich wie du Ricarda. Mir lag zu dem Thema auch einiges auf der Zunge, war aber erstmal ruhig und habe vorausschauend beobachtet. Und das war auch gut so, denn Objektivität war bei dieser „Diskussion“ meist ein Fremdwort. Leider, denn Gesprächsbedarf war und ist mit Sicherheit vorhanden. Nur eben nicht auf solch einem Niveau.

      Löschen