Mittwoch, 12. Juni 2013

Weshalb Webvideos erfolgreicher sind, als Podcasts - ein paar Gedanken

Christoph Krachten hat in der Session "YouTube macht die Stars von heute" auf der re:publica 2013 folgendes zum Podcasting gesagt:

"...also ich vergleiche das immer, ich kuck mir im Vergleich die Podcast Szene dazu an und das tolle auf YouTube ist, wir haben hier neue kreative, tolle, bunte, spannende Inhalte, die sind, die werden ermöglicht dadurch, daß man damit Geld verdienen kann. Wenn ich nämlich auf die Podcast Startseite bei iTunes kucke und es tut mir leid, ich muß es so formulieren, die öffentlich-rechtlichen haben da den bunten Wald platt gemacht. Gebührenfinanzierte Inhalte, haben alles andere nahezu verdrängt und das geht nicht und dafür muß man Geld verdienen und ohne das ist es nicht möglich und das finde ich wahnsinnig wichtig und da hat Podcast, die Podcast Szene hat da nie ein Instrument zu gefunden und auf YouTube ist es möglich und es ist nur so möglich und es wäre sehr schade, wenn es das nicht gäbe....Applaus" (http://youtu.be/n54c2LcIp9Q?t=42m10s)

Seinen Standpunkt, daß YouTuber deshalb so erfolgreich sind, im Gegensatz zu Podcastern, weil man auf YouTube Geld verdienen kann hat er in einem Interview des Medienmagazins "Was mit Medien" in der Folge 306, anlässlich des Verleihung des Webvideopreises 2013 wiederholt:

"....ich finds dann da erfreulicher, als bei den Podcasts, wo es da keine Refinanzierungsmöglichkeit gab und da gibt es nur noch Öffentlich-Rechtliches Programm in den Charts, einfach reinkucken, da sind kaum unabhängige drin und das ist das tolle auf YouTube, da haben ganz viel unabhängige die Möglichkeit zu produzieren und das wird immer professioneller, erreicht immer mehr..." (http://snd.sc/113i9yP ab 53:08)

Ich werde hier erörtern, ob Christoph Krachten mit seiner Meinung richtig liegen könnte oder ob die Wahrheit vielleicht doch ein wenig anders liegen könnte. Für alle die Christoph Krachten nicht kennen, er ist die wohl bekannteste Person des YouTube-Netzwerkes Mediakraft, in dem einige der bekanntesten YouTuber vereinigt sind. Er produziert auf dem YouTube-Kanal Clixoom selbst Videos, wo er Interviews führt.

Nach Meinung von Christoph Krachten, hat YouTube und deren Stars, deshalb so viel Erfolg, weil die Erfolgreichsten YouTuber über YouTube Geld verdienen können. Ich weiß jetzt leider nicht genau, wie er auf diese Schlußfolgerung kommt, aber ich versuche einfach mal diese These nachzuvollziehen. Die Argumentation könnte folgender massen laufen: 
Um auf YouTube erfolgreich sein zu können, muß man sich sehr stark engagieren, das bedeutet einen hohen zeitlichen und auch materiellen Aufwand, den man nur dann betreiben kann und ein Format zum Erfolg führen kann, wenn man diese Zeit hat und nicht noch nebenher seine Zeit mit einem anderen Job teilen muß. Es muß also irgendwann möglich sein, von seinem Format und seinem Content, den man produziert, leben zu können. Hier bietet Google/YouTube die Möglichkeit des AdSense-Programmes, wobei man an den Werbeeinnahmen von Google beteiligt wird, wenn man es gestattet, Werbung vor oder unter seinen Videos laufen zu lassen. Je höher die Klickzahlen der Videos sind, was man nur erreichen kann, wenn man den Geschmack seiner Zuschauer trifft, desto höher sind auch die Einnahmen, die man mit YouTube erzielen kann. AdSense gibt es jetzt nicht nur für Videos, sondern auch für Blogs, aber der Unterschied zwischen beiden Formaten ist der, daß man bei AdSense Werbung auf einem Blog nur dann Werbeeinnahmen erziele, wenn auf eine Werbeanzeige geklickt wird, bei YouTube bekomme man schon Geld, wenn ein Werbevideo, das als Vorspann vor meinen Video läuft, nicht nach 10 Sekunden weggeklickt wird, sondern ganz angeschaut wird. Ich vermute mal, daß es sicher viele Zuseher gibt, die die Pre-Roll Werbung bei einem Video wegklicken, aber wahrscheinlich sind auch ganz viele dabei, die dieses Werbevideo einfach laufen lassen. Alleine, dadurch das man hier nicht aktiv auf eine Werbeanzeige klicken muß um an den Werbeeinnahmen partizipieren zu können, besteht hier ein eklatantes Ungleichgewicht, in den Aufrufzahlen einer Seite und den Werbeeinnahmen, die man als Blogger bzw. als YouTuber erzielen kann. Ich glaube, daß es allein durch dieses Konstruk, als YouTube-Partner, sehr viel leichter ist, Geld zu verdienen. Dadurch ist meiner Meinung nach auch der Anreiz sehr viel größer, mit YouTube Geld verdienen zu wollen. 

Viele YouTuber fangen mit Videos an, weil es ihnen Spaß macht. Weil sie über ein Thema etwas zu sagen haben und weil es ihnen Freude bereitet Videos zu produzieren. Mit der Zeit merken sie dann, daß man mit dem was sie da machen eine ganze Menge Leute erreichen können, sie merken aber auch, daß sie an eine Grenze kommen, an der sie sich entscheiden müssen, ob sie ihre Aktivitäten professionallisieren sollen oder alles auf Hobby-Niveu weiter laufen lassen sollen. Beides ist meiner Meinung nach legitim. Entscheidet man sich allerdings dazu, sich mehr auf YouTube zu konzentrieren, dann muß diese Aktivität auch derart sein, daß man davon auch leben kann, denn über kurz oder lang kommt es zu einem Konflikt, zwischen dem jetzigen Job (falls man einen hat) und den Aktivitäten, um mit YouTube erfolgreich sein zu können.

Wenn ich also dieser Argumentation folge, dann hat wahrscheinlich Christoph Krachten mit seiner Aussage recht. Denn man kann es schaffen, mit YouTube Geld zu verdienen und zwar in einer Höhe, daß man  davon auch leben kann. Wie sieht jetzt die Situation beim Podcasten aus? Nun, prinzipiell sieht sie nicht anders aus, man muß auch hier, um ein beachtetes Format auf die Beine stellen zu können, sich professionallisieren und einiges an Zeit und Material aufwenden. Der Konflikt zwischen dem bestehenden Job (ich gehe einfach mal davon aus, daß man einen Job hat) und der Podcastproduktion ist ähnlich, wie bei YouTube, allerdings hat man nicht die Möglichkeit, auf so einfache Art und Weise, wie das Google AdSense bei YouTube bietet, Geld mit seinen Produktionen verdienen zu können. Viele Podcaster haben Flattr auf ihren Webseiten eingerichtet (jedenfalls in Deutschland) und anscheinend, ich kenne hier keine Zahlen, gibt es auch einige Podcaster, die recht ordentliche Flattr-Einnahmen haben, darunter unter anderem Holger Klein, mit seinem Podcast WRINT. So wie ich ihn in seinen Podcasts verstehe, würden aber diese Flattr-Einnahmen, noch nicht ausreichen, daß er ohne stärkere Einschnitte davon leben könnte. Ich finde Flattr wirklich klasse, eben weil es eine völlig freiwillige Sache ist. Aber gerade beim Podcasten, wo man die Folgen auf einem Gerät hört, das normalerweise nicht mit Flattr verbunden ist. Muß man nachdem man eine Folge gehört hat, daran denken, wenn man wieder an einem Rechner sitzt, daß man den Produzenten des Podcasts flattrn möchte. Ich vermute mal, daß es vielen so geht wie mir, ich vergesse das sehr oft, auch wenn ich die gehörte Folge für gut befinde und die Podcaster_in gerne unterstützen würde. 

Es gibt also festzuhalten, mit Podcasts seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist etwas komplizierter und nicht so einfach als dies mit YouTube Videos und Google AdSense möglich ist.

Wenn ich dieser Argumentation folge, hat wahrscheinlich Christoph Krachten mit seiner These recht, aber ich sehe noch einige Punkte, die den Erfolg von YouTube mit verusachen. Man sieht es alleine schon am Namen. Ich habe hier bisher  nur von YouTube und nicht von Webvideos gesprochen. YouTube ist hier synonym zu Webvideos geworden, obwohl es noch andere Videoplattformen gibt, hat YouTube eine absolut marktbeherrschende Stellung, was diesen Bereich angeht. Niemand redet von DailyMotion oder MyVideo oder Vimeo, die es ja auch noch gibt. Hier muß also YouTube einen Attraktivität besitzen, die einmalig ist. Meiner Meinung nach, ist der wichtigste Punkt, daß YouTube die größte Videoplattform ist, die weltweit existiert für den Erfolg von YouTube-Videos mit verantwortlich. Aber wieso ist YouTube so erfolgreich geworden? Nun, ich kann hier nur Vermutungen anstellen, aber eine der Gründe, die ich sehe, ist einmal, daß es sich bei YouTube eben nicht nur um eine Hosting-Plattform für Videos handelt, sondern eben auch um ein soziales Netzwerk, in dem die User, sich austauschen und zwar über und vornehmlich mit Videos. Zumindest war es früher so. Inzwischen hat YouTube einiges von dem, was früher die soziale Interaktion möglich gemacht hat, ziemlich stark beschnitten und Google versucht hier wahrscheinlich, über kurz oder lang YouTube in Google+ zu integrieren. Wie es hier in Sachen sozialer Vernetzung innerhalb von YouTube weiter gehen wird, weiß ich nicht, aber ich vermute mal, daß YouTube auch eine Größe und marktbeherrschende Stellung erreicht hat, daß man als Videoproduzent und als Videokonsument an YouTube gar nicht vorbei kommen kann. YouTube ist nach Google die zweitgrößte Suchmaschine, das ist auch eine Umstand, den man bei der Betrachtung berücksichtigen muß.

Wenn ich mir jetzt also die Situation beim Podcasting anschaue, dann merkt man schon bei der Benennung, daß es kein Portal für Podcasts gibt, das eine ähnliche Stellung wie YouTube bei Webvideos hätte. Es gibt einige Podcasthoster, die aber wiederum keine soziale Vernetzung anbieten, mit Ausnahmen, wie Audioboo.fm, Shoutio, Spreaker und Soundcloud, die aber von der Größe her nicht ins Gewicht fallen. Podcasts werden zu einem großen Teil von den Produzenten selbst auf Servern gehostet oder bei entsprechenden Anbietern abgelegt. Es gibt kein zentrales Portal, das hier eine ähnliche Funktion hätte, wie dies YouTube bei Webvideos hat. Die einzige mir bekannte Seite, die einen entsprechenden Ansatz zeigt ist Soundcloud. Leider haben alle diese Hoster und Anbieter einen ganz großen Nachteil, sie verlangen alle Geld, um auf ihnen den eigenen Podcast hosten zu können. Weiterhin muß man sich teilweise mit WordPress, RSS-Feeds und Blogging auskennen, um seinen Podcast auch mit Erfolg verbreiten zu können. All dies ist bei YouTube nicht notwendig und der Speicherplatz kostet mich kein Geld. YouTube bietet ein Rundumsorglos Paket an, daß ich so beim Podcasting nicht sehe. Die Einstiegshürden sind für das Podcasting einiges höher, um es einfach mal auszuprobieren zu können. Bei YouTube, reicht eine einfache Registrierung und ich habe einen Kanal. Ich setze mich mit vor die Webcam meines Rechners und ich kann das erste Video schon produzieren. Das ist als Einstieg sehr einfach und deshalb glaube ich, gibt es so viele Leute, die es mit YouTube einmal versuche, ihren Gefallen daran finden und sich dann langsam professionalisieren. Wie gesagt, die einzige Plattform, die ich sehe, die hier in etwa das bieten könnte, was YouTube für Webvideos bietet, ist Soundcloud und vielleicht noch Audioboo, aber beide haben auch ihre Beschränkungen, die letztendlich den Erfolg in der Podcastszene verhindern. Würden diese Beschränkungen wegfallen und könnte man hier auch noch auf irgendeiner Weise Geld verdienen, könnte es möglich sein, daß Podcasts vielleicht einmal ähnlich erfolgreich werden könnten, wie Webvideos bei YouTube, denn es gibt auch hier genügend spannende und interessante Formate, die sicher ihre Zuhörer finden würden.

Mein Fazit, weshalb Webvideos so erfolgreich sind im Gegensatz zu Podcasts, sind folgende Punkte:
  • Man kann mit Webvideos bei YouTube Geld verdienen.
  • Es gibt Portale, für Webvideos, das einen leichten und niederschwelligen Einstieg in die Videoproduktion gestatten.
Was sind eurer Meinung nach die Punkte, weshalb Podcasts nicht so erfolgreich sind? Bitte schreibt mir eure Meinung als Kommentar unter diesem Blogpost.

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