Sonntag, 10. Februar 2013

Farah, die Schwarzwald-Sozialpädagogin

Meine Bekannte Farah ist als Sozialpädagogin in der Erwachsenenbildung tätig und nachdem ich letztens selbst eine Schulung durchgeführt habe, habe ich gemerkt, wie schwierig und anstrengend es ist, sich regelmässig vor völlig fremden Menschen hin zu stellen und diesen etwas zu vermitteln. Dabei war meine Schulung sehr einfach, denn ich mache dies nur gelegentlich alle paar Monate, aber Farah, macht dies täglich und sie hat jede Woche neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer, denen sie nicht nur Wissen vermittelt, sondern mit denen sie auch Einzelgespräche führt und dabei ihre Fähigkeiten als Sozialpädagogin zum Einsatz bringen kann. Gerade diese Einzelgespräche können sehr anstrengend sein, zumindest merke ich ihr das an, wenn ich mich mit ihr nach der Arbeit treffe. Vor allem als transidente Person, kann es sehr belastend sein, sich regelmässig vor fremden Menschen präsentieren zu müssen, denn insgeheim frägt man sich doch ab und zu, ob die Teilnehmerinnen etwas merken oder nicht und Farah hat mir durchaus von Gegebenheiten erzählt, in denen es klar wurde, daß manche etwas merken, aber zum Glück sind dies Ausnahmen und es geschieht nicht systematisch. Ich kann mir aber vorstellen, daß es in diesen Augenblicken einem doch immer wieder einen Schlag versetzt und die eigene Identität in Frage gestellt wird. Farah verdient deshalb auch meinen größten Respekt dafür, daß sie sich jede Woche neuen Menschen gegenüber stellt und sich mit diesen auseinandersetzt. Ich glaube, daß Farahs Job auch ohne dem Handicap der Transidentität sehr anspruchsvoll und anstrengend ist, aber durch das Handicap noch einiges belastender sein kann.

Als transidente Person ist es oft schwierig einen Job zu finden, der auch zu den Qualifikationen paßt, die diese Person hat. Gerade wenn man sich den Menschenrechtsbericht von ATME einmal durchließt stößt man auf eine Zahl von 25% Arbeitslosigkeit unter transidenten Menschen, obwohl der Durchschnitt sonst nur bei etwas über 6% liegt (Menschenrechtsbericht 2013 / ATME e.V.; S. 24; die Zahlen beziehen sich auf Nordrhein-Westfalen). Deshalb freut es mich um so mehr, daß Farah eine der wenigen Ausnahmen darstellt, die es geschafft haben, trotz des Handicaps Transidentität einen Job zu finden. Ich bin mir sicher, daß ich selbst auch sehr große Probleme hätte, einen Job zu finden, sollte ich einmal in die Bredouille kommen und einen neuen Job suchen zu müssen.  Ich bin deshalb auch sehr froh, daß ich einen Arbeitsplatz habe, der mir meistens Freude macht und wo ich sehr nette und sympathische Kolleginnen und Kollegen habe. Ich habe zwar keine konkreten Zahlen, aber das was der Menschenrechtsbericht berichtet, kann ich zumindest gefühlsmässig bestätigen, denn ich kenne inzwischen einige transidente Menschen, die leider auf Arbeitssuche sind und die auch berichten, daß sie wegen der Transidentität es schwer haben einen Job zu finden. Aber man darf glaube ich in so einer Situation die Hoffnung nicht aufgeben, denn wie man sieht, gibt es immerhin auch 75% transidenter Menschen, die einen Job haben und beruflich erfolgreich sind und Farah ist eine davon.

Kommentare:

  1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

    AntwortenLöschen
  2. handicap transident? sachma?! Das ist doch keine Krankheit!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Transidentität ist keine Krankheit, das ist auch meine Meinung, aber es ist leider teilweise immer noch ein Grund für Ausgrenzung und Diskriminierung.

      Löschen
    2. ich glaube hier stößt man sich an der begrifflichkeit. das klingt in der tat etwas pathologisierend, da der mainstreamdiskurs oft immer noch oft implzit oder expliziet auf eine behauptete 'abnormalität' von transpersonen bezieht. Obwohl die intention in diesem text eine andere ist, bezieht er sich somit auf ein wort das im mainstreamdiskurs bestehend ist und reproduziert somit bestimmte machtstrukturen, im sinne von 'selbst transidente personsn bezeichnen sich als gehandicaped'. Vorschläge:

      Deshalb freut es mich um so mehr, daß Farah eine der wenigen Ausnahmen darstellt, die es geschafft haben, trotz ihrer Transidentität...

      Ich glaube, daß Farahs Job auch allgemein sehr anspruchsvoll und anstrengend ist, aber dank ihre Transidenität sie noch um einiges belastender sein kann als nicht transidente Personen...


      Beste Grüße

      Löschen
  3. tzeee... Ö.Ö also mal ehrlich, wenn Transident sein eine Krankheit is...was soll dann Intersexualiät sein... xD

    Ich hasse solche Vorurteile von Arbeitgebern. Ich selber bin intersexuell und finde es scheiße nur auf meine ''angebliche'' Beeinträchtigung reduziert zu werden. >.<
    Solche Leute sind doch kaum bereit sich mit solchen Leuten auseinander zu setzen. So nach dem Motto: is ja nicht normal... o.O

    AntwortenLöschen