Freitag, 26. April 2013

Bin ich hochsensibel?

Ich bin heute durch Zufall auf einen Beitrag von FrauTV gekommen, der da heißt: "Hochsensibel: Leben ohne Filter". Es geht in dem Beitrag um hochsensible Menschen, die manches wahrnehmen, was andere Menschen nicht wahrnehmen. Ihnen fehlt eine Art Filterfunktion, die vor Reizüberflutung schützt. Ich habe mir den Fernsehbericht angeschaut und habe erst mal recht wenig Gemeinsamkeiten mit der Protagonistin ausgemacht. Ich kann mit den äusseren Reizen recht gut umgehen und habe hier anscheinend eine höhere Reizschwelle wie andere hochsensible Personen. Nachdem ich den Beitrag angeschaut habe, habe ich dann den HSP-Test auf der Seite von www.zartbesaitet.net gemacht und ich war überrascht, daß ich hier 296 von 300 möglichen Punkten erzielt habe. Ich hatte zwar schon länger die Vermutung, daß ich hochsensibel sein könnte, denn es gab schon immer gewisse Anzeichen, die mich in diese Richtung hat tendieren lassen, aber daß der Test so eindeutig ausfallen würde, hätte ich nicht gedacht. 

Auf der Seite www.zartbesaitet.net gibt es einige Grundlegende Informationen zu dem Thema und wie es aussieht, bin ich wahrscheinlich auf den Gebieten Emotion und Kognition sehr sensibel, was so manches meiner Verhaltensmuster erklären könnte und die für andere Menschen, manchmal etwas komisch erscheinen können. So habe ich oft den Drang, mich in meine Wohnung zurück zu ziehen, um meine Ruhe zu haben. Nicht das ich eine Sozialphobie hätte, nein ich bin gerne mit netten Menschen zusammen und unternehme etwas mit ihnen zusammen. Ich bin dann aber auch immer wieder Froh, wenn ich nach Hause in die mir gewohnte Umgebung. 

Mir fällt es z.B. auch sehr schwer, Filme oder Theaterstücke anzuschauen, in denen es sehr emotional zugeht. Auch emotionale Situationen im echten Leben sind für mich äußerst belastend und ich versuche diese auch zu vermeiden. Mir fällt es, wenn ich dann doch mal so einen Film anschaue, sehr schwer, mich von dem Geschehen abzugrenzen und mir bewußt zu machen, daß das was ich da erlebe, nur ein Film ist und nichts mit mir zu tun hat. Das haben schon meine Eltern in meiner Kindheit versucht mir beizubringen und rational ist mir das auch bewußt, aber wenn ich dann einen Film anschaue, greift dieses Wissen nicht. Ganz schlimm wird es allerdings, wenn es sich eben nicht um einen Film handelt, sondern  für mich emotional belastende Ereignisse in meinem Leben vorkommen. Ich versuche auch hier, diese zu vermeiden. Ich versuche dann meistens erst mal, kühl und rational zu bleiben, was für mein Gegenüber dann vielleicht als kalt und unnahbar erscheint, aber ich habe gemerkt, daß dies eine Art Selbstschutz ist. Allerdings kann ich diese Maske nicht sehr lange aufrecht erhalten und man kommt mir sehr schnell auf die Schliche. Ich bin im Miteinander mit anderen Menschen eher wie eine Mimose, die sich sofort, bei der leisesten Berührung zusammen zieht. Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, weshalb ich Kommunikation via Mail oder einem Messenger bevorzuge, denn hier fühle ich mich dann doch sicherer und ich weiß, daß ich die Kommunikation jederzeit verlassen kann, wenn es mir zuviel wird. Ich telefoniere natürlich gerne mit Menschen, die ich kenne, aber gerade mit Personen, die ich nicht kenne, fällt es mir sehr schwer zum Telefon zu greifen und einfach mit diesen zu reden. Komischerweise, fällt es mir weniger schwer, mit Menschen direkt, Angesicht zu Angesicht zu reden, als mit ihnen zu telefonieren. 

Geräusche kann ich ganz gut ausblenden, merke aber, wenn ich dann mal in eine sehr ruhige Gegend komme, wie schön ruhig es dann ist und welcher dauernden Lärmbelastung ich in der Stadt ausgesetzt bin und ich geniese es dann, diese Ruhe zu empfinden Ich empfinde diese Art Ruhe dann fast körperlich und merke, daß sie mir sehr sehr gut tut.. Ähnlich geht es mir mit visuellen Reizen. Wenn ich z.B. mit jemanden zusammen einen Kaffee trinke und mich mit der Person unterhalte, fällt es mir sehr schwer, mich auf diese Person zu konzentrieren, wenn sich in meinem Umfeld Menschen bewegen. Ich habe dann oft den Drang, diesen anderen Personen mit meinen Blicken zu folgen. Mein Gesprächspartner mag mein Verhalten dann als unhöflich und unaufmerksam ansehen, aber es ist nicht böse gemeint und ist kein Ausdruck von Respektlosigkeit, sondern ist einfach meinem Drang nach Einschätzung aller Bewegungen, die ich in meinem Umfeld registriere, einordnen zu wollen geschuldet.

Ich habe mir auch schon mal überlegt, ob das alles, was ich an meinem Verhalten beobachtet habe (dazu gehört noch viel mehr, als das, was ich bis jetzt angedeutet habe) und wo ich gemerkt habe, daß ich hier doch anders ticke, wie die meisten anderen, ob dies nicht eine ganz leichte Form von Asperger sein könnte. Hier gibt es glaube ich, einige Überschneidungen  in den Verhaltensweisen von Personen mit Asperger und denen die hochsensibel sind, aber es gibt einiges an meinem Verhalten, das überhaupt nicht zu einem Asperger Syndrom passt, weshalb mir der Erklärungsansatz, daß ich ein hochsensibler Mensch bin, wohl eher passen könnte. Ich habe mich noch nie näher mit dem Thema Hochsensibilität befaßt, werde dies aber in Zukunft sicher tun. Das Wissen darum bzw. die Vermutung, daß ich hochsensibel sein könnte hilft mir erst einmal insoweit, daß ich jetzt erst mal eine Schublade habe, in die ich gewisse Reaktionen meinerseits stecken kann und dadurch für mich erkennen kann, daß  meine Reaktion und Verhaltensweisen so in Ordnung sind und ich mich nicht krampfhaft bemühen muß, den Erwartungen anderer zu entsprechen.

Kommentare:

  1. Oha.. Ich habe 309 Punkte erreicht. Erklärt so einiges.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja ist schon interessant, wer alles hochsensibel zu sein scheint. Willkommen im Club ;-)

      Löschen
  2. Uiii interessanter Test :) Ich habe übrigens 230 Punkte erreicht und gelte damit auch als 'hochsensibel'. Naja ich habe teilweise auch starke Stimmungsschwankungen etc und bin sehr harmoniebedürftig...

    lg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh ja, das mit dem Harmoniebedürfnis kenne ich. Ich kann Streit überhaupt nicht ertragen.
      LG

      Löschen
  3. Da muss ich mich dann auch mal zu Wort melden.

    Normal mache ich kaum Tests dieser Art. Allerdings fand ich mich in deiner eigenen Beschreibung im Post doch in sehr vielen Dingen wieder und bäm. Ich habe auch eine sehr hohe Punktzahl erreicht.
    Das hat mich etwas verwirrt.

    Jedoch hatte ich dies auch bei Tests in Bezug auf ADS und Autismus. Letzteres allerdings nur in Teilbereichen. Ob da wirklich etwas dran ist... Ich weiß es nicht. Jedenfalls nehme ich sehr oft Dinge wahr, die andere im Umfeld in keiner Weise registrieren. Das kann manchmal sehr anstrengend werden.
    Aufgrund der Lärmempfindlichkeit geh ich ja sogar kaum noch ins Kino.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lärm ist meiner Erfahrung nicht gleich Lärm. Wenn ich zu Hause Fernsehe oder im Kino bin, kann ich den Ton ganz gut ertragen. Ich mag auch laute Musik, aber ich mag es dann aber auch wieder, wenn ich ruhe habe und dazu gehört durchaus auch ein Geräuschpegel, den ich ohne Probleme ausblenden kann. Wenn man nach der Seite von www.zartbesaitet.net geht, reagieren hier auch hochsensible Menschen sehr unterschiedlich.
      Liebe Grüsse,
      Michaela

      Löschen
  4. Oh, 272 Punkte habe ich. Das hätte ich nicht vermutet.

    LG Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, mich würde allerdings auch mal interessieren, die wenige Punkte erzielen. Ich habe hier so das Gefühl, daß sich hochsensible Menschen gegenseitig erkennen und deren Nähe bevorzugen.
      LG Michaela

      Löschen
  5. 254 Punkte. Aber, dass ich hochsensibel bin, weiß ich schon länger. Und ich finde es auch gar nicht schlecht. :)

    AntwortenLöschen
  6. Ich habe diesen Test schon vor einiger Zeit gemacht und jetzt nochmal.
    Ich weiß nicht. Ich bin angeblich auch "hochsensibel". Auf der Webseite wird dies aber irgendwie so dargestellt, als würde man automatisch darunter "leiden" oder sich anders fühlen als andere. So geht es mir überhaupt nicht. Ich empfinde es eigentlich als sehr positiv, dass ich sensibel bin und dass mir die Gemütszustände anderer auffallen. Natürlich sind die meisten meiner Freunde diesbezüglich nicht ganz so sensibel, aber irgendwie macht das ja auch den Reiz von Freundschaften aus. Dass da eben unterschiedliche Charaktere zusammenkommen und man einen gemeinsamen Weg finden "muss".
    Verschiedenen Charakteren einen Stempel aufzudrücken wie "hochsensibel" etc. empfinde ich als übertrieben, weil es häufig auch verhindert, dass man an sich arbeitet (à la "Ach naja, ich bin halt hochsensibel, da werde ich in der nächsten mündlichen Prüfung ohnehin ganz schlecht abschneiden." -> self fulfilling prophecy).

    AntwortenLöschen