Samstag, 10. September 2011

Beruf und Transidentität



Mich hat letzte Woche eine junge transidente Frau angeschrieben, die kurz vor Beginn einer Ausbildung steht. Sie wollte von mir wissen, wie die Chancen von transidenten Frauen stehen, einen Job zu finden, bzw. einen Job behalten zu können und wie das mit ihrer geplanten Transition machbar ist. Ich weiß, daß das was ich in folgendem Podcast dazu sage, sicher für viele transidente Menschen etwas bedrückend klingen mag, aber er spiegelt meine Erfahrungen wieder und ist sicher nicht zu verallgemeinern. Ich habe den Podcast aufgenommen, da ich mir denke, daß das Thema auch für andere transidente Menschen von Interesse ist und ich würde mich freuen, wenn sie ihre Erfahrungen diesbezüglich als Kommentar schildern würden.

Berufsaussichten von transidenten Menschen (mp3)
Am besten meinen Podcast bequem in iTunes abonnieren, keine Folge verpassen und immer frisch dabei.

Kommentare:

  1. Alle Frauen mit transsexueller Vergangenheit in meinem Bekanntenkreis die es geschafft haben den Wechsel hin zu ihrem Seelengeschlecht bedingungslos und umfassend zu vollziehen sind in gesicherten sozialen Verhältnissen.Die meisten derer,die ihre Zweifel,ihre Unsicherheit nicht ablegen können oder die auch bewußt als ein Zwischenwesen,als heute dies und morgen das leben wollen,finden in der Gesellschaft keinen anerkannten Raum und sind von daher eher von sozialem Abstieg bedroht.Einige beziehen schon lange ALG 2 und ich sehe da auch keine Änderung in Sicht.Erika Pe

    AntwortenLöschen
  2. Hi Erika,
    ja ich denke auch, daß es davon abhängt, wie gut das Passing ist. Leider hat nicht jede transidente Frau von Natur aus die passenden körperlichen Voraussetzungen.
    Liebe Grüsse,
    Michaela

    AntwortenLöschen
  3. Mit Verlaub, Michaela, ich halte den Ratschlag an einen transidenten Menschen, mit dem vollständigen Rollenwechsel zu warten, bis irgendwelche äußeren Faktoren etwas günstiger aussehen, für sehr kritisch. Egal ob es ein sicherer Arbeitsvertrag ist, auf den man wartet, oder die Volljährigkeit der eigenen Kinder oder der Umzug in eine bessere Wohngegend - auf diese Weise entstehen verlorene Jahre, die man nicht mehr zurückbekommt.
    Wenn man sich seiner Transidentität bewußt ist und sicher weiß, daß eine Transition der Weg zum eigenen Seelenfrieden bedeutet, dann gibt es keinen Grund, damit zu warten. Zumal die Gründe, warum man es dann vielleicht doch tut, mit der Zeit an Bedeutung verlieren.

    Ja, junge Transgender haben es in der Zeit ihrer Ausbildung und während der Suche nach ihrem ersten festen Job sicherlich nicht leicht - von ihnen deshalb aber zu verlangen, noch ein paar Jahre in der Rolle des ungeliebten Geschlechts weiterzuleben, kann nicht die Lösung sein. Diese Zeit ist dann futsch, ein für allemal! Und mit ihr auch die möglichen, wichtigen Erfahrungen, die man in ihr hätte machen können, sowie die Chancen, sich so früh wie möglich in der als "richtig" empfundenen Lebenssituation einzurichten und zu perfektionieren.
    Was sind schon ein paar Monate Hartz 4 (im allerschlimmsten Fall) gegen die lebenslange Erinnerung an eine unglückliche Zeit mit vertanen Chancen und ungelösten Konflikten?

    Yva

    AntwortenLöschen
  4. nun, vielleicht hat man aber erst die kraft für das berufsleben, wenn man sich selbst angekommen ist...? und heut zu tage eine festanstellung zu bekommen...auch nicht nur einfach. Wie du schon sagst... alles nicht so einfach....!lg Robert

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Michaela.

    Eben fand ich diesen Artikel, der hier gut reinpassen könnte:

    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-08/interview-schicklang-transsexualitaet

    LG
    Isobelle

    AntwortenLöschen
  6. Ich bin die Person die Michaela geschrieben hat.
    Ich bin jetzt 21 Jahre alt und möchte erstmal so die Schule fertig machen, aber danach weiß ich nicht. Ich für mich weiß auch, dass es mir nichts bringt, einen gesicherten Beruf zu bekommen aber dafür unglücklich mit mir selbst zu sein. Andererseits bringt es mir auch wenig, optisch wie eine schöne Frau auszusehen, aber dafür keinen Job zu haben....Beides zusammen wäre schon wünschenswert und ich verusche erstmal auch mit meinem momentanen GEschlecht auch einen Beruf zu bekommen. Das ist heute nicht ganz einfach (ob nun als Mann oder Frau). Außerdem, meinte Michaela das wohl eher so...das ich körperlich wie ich bin erstmal abwarten soll, aber alles was optisch shcon machbar ist, machen kann - lange haare, keinen Bart usw. Das passt auch besser zu mir und so sehe ich auch schon aus - die Haare wachsen zur Zeit.
    Ich würde aber schon eher in der Medienbranche arbeiten, da die dort nicht so ganz konservativ sind. Außerdem, wie eine Frau, also wie ich lebe ich ja schon - nur noch nicht im vollen Umfang.

    AntwortenLöschen