Samstag, 2. Dezember 2006

Weihnachtsmarkt in Konstanz


Heute am Samstag Nachmittag möchte ich zusammen mit meiner besten Freundin Karin und Angelika aus Überlingen einen Bummel über den Weihnachtsmarkt in Konstanz machen. So gegen 14.00 Uhr beginne ich mich zu schminken. Ich bin schon die Tage vorher am Überlegen, was ich für diesen Anlaß anziehen soll. Soll ich nocheinmal meinen schwarzen Cordrock anziehen oder vielleicht doch Jeanshosen? Ich möchte ja auch nicht frieren, wenn wir dort sind. Zum Glück ist es für die Jahreszeit etwas zu warm und wir haben so ungefähr 5°-6° C. Nachdem ich mich also geschminkt habe und mich soweit gerichtet habe, entscheide ich mich für meinen neuen Jeansrock, den ich letztens bei Quelle gekauft habe. Als Oberteil nehme ich einen roten Rollkragenpullover, den ich schon eine ganze Weile habe und noch nie angezogen hatte, da mir bis jetzt die Gelegenheit dazu gefehlt hat. Es ist ein Teil von Landsend und ist schön schlicht und in sehr guter Qualität. Dazu meine geliebten Stiefel und ganz zum Schluß noch den schwarzen Anorak. Ich wäre also soweit ausgehfertig, aber es ist noch ungefähr eine 3/4 Stunde Zeit, bis ich losfahren muß. Die Zeit nutze ich und versuche ein paar Minuten zu meditieren und hoffe, so mich etwas zu beruhigen, denn ich bin doch ein wenig nervös. Mir macht der Gedanke, nachher Karin mit dem Auto abzuholen, doch ein wenig Sorge. Immerhin hat die Nachbarschaft von Karin, mein Auto schon des öfteren gesehen und mich als Mann dazu. Ich weiß natürlich nicht, wie die Leutchen reagieren, wenn sie plötzlich eine Fahrerin sehen und den Verdacht haben könnten, daß der Fahrer und die Fahrerin, ein und die selber Person sind. Aber wie Karin zuvor schon gesagt hat, ist es erstens ihr egal was ihre Nachbarn denken und zweitens, wenn ich mir schon wegen solchen Kleinigkeiten Gedanken mache, dann kann ich das Frausein auch gleich bleiben lassen. ....
Um 15.30 Uhr fahre ich also los und hole Karin ab. Klar das in dem Hof vor ihrer Wohnung, eine ganze Menge Leute rumstehen müssen. Aber was solls, ich kann nicht zurück und ich fahre hinein, halte vor der Tür, steige aus und gehe zur Tür. Ich Klingle und Karin meldet sich. Ich gehe wieder zurück ins Auto und nach ein paar Minuten kommt sie. Wir fahren jetzt erst mal weiter nach Überlingen, wo wir Angelika abholen. Die Fahrt dorthin, dauert ungefähr eine halbe Stunde. Angelika und Karin sehen sich das erste Mal und wir fahren dann weiter nach Konstanz. Wir fahren über die Autobahn und nehmen nicht die Fähre, was ungefähr 45 Minuten dauert. In Konstanz merken wir, daß es vielleicht nicht ganz leicht wird einen Parkplatz zu finden, denn wir sind nicht die Einzigen, die den Weihnachtsmarkt besuchen wollen. Aber zum Glück fährt gerade jemand weg und schwubs bin ich in der Parklücke.
So endlich in Konstanz und es wird auch schon dunkel. Es ist einfach wieder ein unheimlich schönes Gefühl, wieder als Frau unterwegs zu sein, denke ich so für mich. Es ist zwar etwas ungewohnt, daß Karin dabei ist, denn sie kennt mich seit ca. 20 Jahren als Mann und ich hatte mein Coming-Out, ihr gegenüber erst vor ungefähr einem halben Jahr. Es ist auch erst das 2. Mal, daß ich mit ihr en-femme unterwegs bin. Aber sie ist zum Glück sehr verständnisvoll, aber auch eine der schärfsten Kriterinnen, was ich sehr zu schätzen weiß. Nach ein paar Meter durch die Fußgängerzone von Konstanz, erreichen wir den Weihnachtsmarkt und ich sehe gleich, daß der sehr viel größer ist, als der hier in Friedrichshafen und auch sehr viel mehr Leute hier sind. Wir stürzen uns also ins Gewümmel und bummeln von einem Stand zum Andern. Angelika und ich, sind ja nicht die Kleinsten, aber ich habe nicht das Gefühl, daß wir großartig auffallen. An einem Stand mit indischem Essen kaufen Karin, ich und Angelika eine Kleinigkeit um für den weiteren Abend gerüstet zu sein. Nachdem wir das Ende des Weihnachtsmarktes erreicht haben, suchen wir einen Stand, wo nich sooo viel los ist und wo wir einen Glühwein trinken können. Wir entdecken, neben dem Konzilsgebäude Einen, und trinken dort unseren Glühwein. Die Gelegenheit ist günstig und ich mache ein Bild von Karin und Angelika und Karin macht dann noch ein Bild von Angelika und mir, mit meiner Kamera. Auf dem Rückweg geht Karin noch zu einem Seifenstand und dabei warten Angelika und ich etwas abseits und stehen zusammen und zwar so, daß ich die Leute sehen kann, die gerade an uns vorbei sind. Die meisten Leute, die an uns vorbei gehen, drehen sich nicht nach uns um, aber es gibt doch so zwei oder drei, die sich in der Zeit, in der wir so dastehen nach uns sehr auffällig umdrehen. Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht an unseren Stimmen, denn es sind eigentlich immer diejenigen, die recht nah an uns vorbei gegangen sind, die einen Blick zurück wagen oder vielleicht doch an unserem nicht perfekt weiblichen Äusseren? Egal, immerhin werden wir in ruhe gelassen und das irgendjemand mal was mekrt, läßt sich eben nicht verhindern, bei allen Bemühungen nicht.... Am Ausgangspunkt unserer Ganges über den Markt angekommen, entschliesen wir uns, jetzt in einem Kaffee etwas aufzuwärmen und wir gehen, in Richtung Theatercafe, wo Angelika und ich ja vor ein paar Wochen schon einmal waren. Ausserdem wollte Liliane auch noch zu uns kommen und so ist das jetzt gerade die richtige Gelegenheit dazu einen Ortswechsel zu machen. Kurz vor dem Theatercafe kommen wir am Cafe Rossini vorbei und wir entschliessen uns, dort aufzuwärmen und auf Liliane zu warten. Wir haben Glück und finden sogar einen Sitzplatz für 4 Personen im Nichtraucherbereich. Wir sitzen direkt neben dem Eingang und so könne wir sehr gut sehen, wer alles ein und aus geht. Karin und Anglika bestellen noch eine Kleinigkeit zu Essen, was ich mir verkneife, denn ich möchte noch ein paar Pfunde los werden. Nach einigen Minuten kommt auch Liliane zu uns und es wird ein sehr gemütlicher Abend, mit teilweise angeregten Diskussionen über das weite Thema Transgender. Gegen 22.00 Uhr erinnert Karin mich daran, daß sie eigentlich nicht zu spät nach Hause kommen möchte, denn sie muß am Sonntagmorgen um 7.00 Uhr aufstehen, da sie Sonntagmorgens noch in einer Bäckerei Brötchen verkauft. Mir ist es auch recht, denn ich möchte auch nicht so spät nach Hause, immerhin sind es noch fast 2 Stunden fahrt, bis wir wieder in Friedrichshafen sind. Es dauert eine ganze Weile, bis eine Bedienung mal Zeit hat und wir zahlen können. Inzwischen ist es im Rossini richtig voll geworden und sogar draussen stehen einige Leute rum, die darauf warten, einen Sitzplatz zu bekommen. Als wir raus gehen, habe ich das Gefühl, daß die Einen oder Anderen recht erstaunt sind, plötzlich drei ausgewachsenen Transen gegenüber zu stehen, aber die Leute sind zum Glück so gut erzogen, daß sie sich nichts anmerken lassen. Liliane begleitet uns noch bis zu unserem Auto und dort angekommen, verabschieden wir uns von ihr und wir fahren danach wieder Heim. Auf der Heimfahrt ist es teilweise etwas nebelig, aber es geht und wir sind gegen halb 12 in Überlingen, wo wir Angelika verabschieden und die letzte halbe Stunde Fahrt Richtung Friedrichshafen antreten. Karin las ich kurz vor ihrer Wohnung aussteigen und ich verabschiede mich auch von ihr. Ich komme gut in die Tiefgarage und auch ohne, daß mir jemand begegnet in meine Wohnung.

Es war ein sehr schöner und gelungener Ausflug auf dem Weihnachtsmarkt und ich denke, daß ich demnächst auch einen Bummel über den Markt hier in Friedrichshafen und in Ravensburg als Frau unternehmen werde.

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