Sonntag, 31. Dezember 2006

Sylvester

Heute ist also Sylvester und das Jahr 2006 endet und morgen haben wir dann das Jahr 2007. Was war in diesem Jahr, was für mich wichtig war? Zuerst ein trauriger, nämlich das ich an meinem Geburtstag mit meiner damaligen Freundin Schluß gemacht hatte. Ich bereue es auf der einen Seite immer noch, aber auf der anderen Seite, habe ich schon einige Zeit davor gemerkt, daß es nicht mehr rund läuft, ja und dabei hat sich bei mir meine weibliche Seite wieder vehement gemeldet. Meine damalige Freundin habe ich leider immer noch nicht eingeweiht, was mich so bewegt, aber ich hoffe, daß gelingt mir demnächst und was mindestens genauso wichtig ist, es sollte der richtige Zeitpunkt sein und in der richtigen Umgebung stattfinden. Ich bin nicht diejenige, die so etwas per SMS oder per Email kundtut. Ich bevorzuge immer noch das Gespräch unter vier Augen, auch wenn es emotional schwieriger ist, aber es ist meiner Meinung nach ehrlicher.

Das nächste wichtige Ereignis dieses Jahres war, als ich zusammen mit meiner Ex-Freundin, den VHS-Kurs "Abnehmen beginnt im Kopf" besucht habe. Wir hatten den Kurs gebucht, als wir noch ein Paar waren und es war deshalb bedeutsam für mich, da die Kursleiterin eine Psychologin war, die in ihren Tätigkeitsfeld auch "Fragen der sexuellen Identität" aufgeführt hat, was mich dazu bewegte, mich endlich einer fachkundigen und verständnisvollen Person zu offenbaren und ich endlich mit jemanden über meine Gefühle reden konnte. Klar ich kann auch mit meinen Freunden teilweise darüber reden, aber eben nur bedingt. Ich weiß noch, als ich meinem Freund E.. erzählte, was mich bewegt, war die erste Reaktion darauf "Du willst dich aber jetzt nicht umbauen lassen". Solche Antworten helfen nicht weiter, auch wenn sie Ausdruck der Verunsicherung sind und der Angst einen Freund zu verlieren. Diese Reaktion habe ich auch bei Karin gehört und ich denke ich muß mich darauf vorbereiten, daß dies wohl noch öfters vorkommen wird. Naja, jedenfalls war der Entschluß mich in psychologischer Betreuung zu begeben, der Anlaß mich mit dem Gedanken zu befassen, einen professionellen Genderchange-Service aufzusuchen. Nach etwas stöbern im Internet, bin ich dann auf die Seite von Elli gestossen und nach kurzem Überlegen hatte ich mich auch dort angemeldet.

Ja der nächste, vielleicht das wichtigste Erlebnis dieses Jahr, war der Besuch bei Elli Hunter, wo ich am 27. März war. Ich habe bei ihr nicht nur gelernt, wie man sich effektiv schminkt, sondern es wurden auch sehr schöne Bilder gemacht. Es war auch das erste Mal, daß ich als Frau in einer Stadt unterwegs war. Ich war damals zusammen mit Elli, in Kempten einkaufen und Kaffee trinken und danach noch zum Essen bei einem Italiener und für mich sozusagen der Startschuß für mein Frau-sein in der realen Welt. Bis dahin hatte ich mich nur in meiner Wohnung geschminkt und gestylt und immer wahnsinnige Angszustände, wenn ich mir nur vorstelllte, ich würde so auf die Strasse gehen. Aber mit der Zeit wird das ziemlich frustrierend, denn ich möchte ja, soweit das eben möglich ist, das tun, was eine normale Frau auch macht. Einkaufen gehen, Kaffee trinken, spazieren gehen und ab und zu einmal Abends ausgehen. Eben ein ganz normales Frauenleben führen, auch wenn es da immer gewisse Handicaps geben wird, aber diese werde ich mit der Zeit auch noch überwinden können.

Das nächste entscheidende Ereignis war, als ich mich zwei Wochen nach dem ich bei Elli war, mit Angelika getroffen habe und mit ihr nach Kirchheim zum Trans-Treff Süddeutschland gefahren bin. Es war somit, daß erste Mal, daß ich mich als Frau hier aus dem Haus getraut habe. Nein, das stimmt nicht ganz, ich bin eine Woche zuvor schon mal im Regen draussen gewessen und habe dabei meinen Kumpel E.. besucht. Ein weiterer solcher Meilensteine, war aus meiner Sicht, das Treffen mit Angelika und Mary-Loo an der Überlinger Promenade. Damals merkte ich wieder, daß ich nicht komisch angeschaut werde und das ich nichts zu befürchten habe, auch wenn ich damals sehr sehr aufgeregt war. Darauf hin bin ich ja dann am Abend gleich noch mit E.. und A.. nach Lindau ins "Why Not" gefahren und danach noch hier vor der Haustür im Bowling gewesen. Dieser Tag, hat sozusagen das Eis gebroch, auch wenn ich danach immer noch ziemlich aufgeregt war, wenn ich als Frau vor die Haustür bin und auch heute noch ein gewisse Kribbeln zu spüren ist.

Was dann noch zu berichten wäre, waren die letzten Wochenende im Dezember, als ich alleine als Frau unterwegs war, und mir dies eine größere Selbstsicherheit eingebracht hat. Das waren solche Augenblicke, wo ich sonst eben als Mann spazieren gegangen wäre und ich mir dann dachte, das kann ich auch als Frau machen.

Ja und heute Abend werde ich en-femme das alte Jahr verlassen und das neue Jahr betreten. Ich werde zusammen mit E... erst mal gemütlich zum Essen gehen und danach noch in eine Disco gehen. Ich bin ein wenig aufgeregt, vor allem was der Besuch in der Disco angeht, aber ich hoffe, daß es nicht zu voll dort ist, denn das mag ich überhaupt nicht, egal ob ich jetzt als Mann dort hin gehen würde oder als Frau dort aufkreuze. Das ein Bekannter mich zusammen mit E.. sieht und uns eventuell ansprechen könnte, macht mir dagegen keine grossen Sorgen, denn ich bin einfach so wie ich eben bin.

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