Montag, 3. Januar 2011

Freundinnen und Freunde sind wichtig

Gestern als ich gegen 23.00 Uhr nach Hause kam, fand ich folgenden Kommentar unter dem Blogbeitrag "Weihnachten ist vorbei":
Anonym hat gesagt…
Ist eine Kugel in Kopf doch das Beste für alle.
1. Meine Eltern brauchen sich nicht mehr mit einer Trans…. Auseinandersetzen
2. Ihr Statusleben in der Gesellschaft bleibt gewahrt.
3. Meine Geschwister hatten so wie so kein Kontakt mehr mit mir
4. Eine davon hat mir ein Jahr meiner Zeit gestohlen als sie mich in die Klapse brachte.
5. Und mir dadurch auch noch mein Kind wegnahm.
6. also was soll`s
7. Ich frage euch wo ist da noch ein Sinn?
8. Viele sagen der Selbstmord ist keine Lösung aber niemand spricht von Erlösung
Noch habe keinen Mut aber die Zeit kommt wo es Bum macht.
Als ich diesen Kommentar las, war ich zuerst sehr schockiert. Durch die Angaben im Kommentar, hatte ich auch eine Vermutung wer die Kommentatorin sein könnte. Ich rief erst mal meine Freundin Farah an, die ihr ja als Moderatorin und Reporterin kennt, da ich nicht wußte, wie ich reagieren sollte. Zum Glück hatte sie die Idee, eine Bekannte aus der Nähe der Kommentarschreiberin anzurufen. Sie hat sie dann gebeten, zu ihr zu fahren und nach dem Rechten zu schauen, denn wir machten uns ernsthaft sorgen, daß sie sich etwas angetan haben könnte. Sie ging nicht ans Telefon obwohl Farah versucht hat, sie mehrfach anzurufen. Unsere Bekannte fuhr dann zur Wohnung der Kommentarschreiberin und konnte keine Regung in der Wohnung feststellen, worauf sie die Polizei verständigte, die dann auch kam. Zum Glück war unsere Bekannte, die den Kommentar geschrieben hatte, unversehrt und es stellte sich auch tatsächlich heraus, daß sie den Kommentar in meinem Blog hinterlassen hatte.

Wir sind wie gesagt alle sehr erleichtert, daß sie sich nichts angetan hat, denn Menschen, die in einer depressiven Phase stecken handeln leider nicht rational und unvorhersehbar. Ich habe in meinem früheren Freundeskreis leider schon 2 Selbstötungen mitbekommen und ich möchte nicht noch mehr Freunde oder Bekannte verlieren.

Farah und ich haben heute Nacht bzw. heute Morgen noch lange miteinander telefoniert und sie meinte, daß ich unserer Bekannten sehr ähnlich wäre. Ich kann unsere Bekannte auch sehr gut verstehen, man hängt da in einem Loch drin, verstärkt durch die Feiertage und erhofft sich auf der einen Seite Hilfe von Freunden oder Bekannten, deswegen auch der Hilferuf im Blog, auf der anderen Seite, will man niemanden sehen und verkriecht sich, zieht die Decke über den Kopf und geht auch nicht ans Telefon. Das Ganze ist sehr paradox und für Aussenstehende und diejenigen, die so etwas noch nie erlebt haben, nicht zu begreifen.

Unsere Bekannte hat was ihre Familie angeht einen schweren Stand und mir würde es wahrscheinlich ähnlich gehen, wenn ich in ihrer Situation wäre. Aber sie hat nicht nur ihre Familie, sondern auch Freunde und Freundinnen, die ihr beistehen und an die sie sich wenden kann. Ich glaube, daß man als transidenter Mensch ein Netzwerk zu anderen transidenten Personen aufrecht erhalten sollte, um solche Situationen besser bewältigen zu können. Es werden immer wieder solche oder ähnliche Situationen im Leben einer transidenten Person auftreten, wo man jemanden braucht, der einen auffängt und der einem zu hört und bei dem man sich wertgeschätzt und verstanden fühlt. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese Person in der Nachbarschaft oder am anderen Ende von Deutschland lebt. Nicht jede Person ist so stark, daß sie diese schwierigen Zeiten ohne Hilfe überstehen kann, deshalb sind auch die Kontakte zu anderen transidenten Freundinnen und Freunden wichtig und eventuell auch ein Psychotherapeut. Ein solches Netzwerk aufzubauen und aufrecht zu erhalten bedarf natürlich auch Arbeit und ständiger Pflege, aber wie wir gestern Abend bzw. heute Morgen gesehen habe, war es wichtig, daß wir ein solches Netzwerk haben und mir wurde dadurch verdeutlicht, wie wichtig die Freunde sind, die man hat. Unser Transgender-Euregio-Treff (TET), ist da z.B. eine sehr gute Möglichkeit, Kontakte zu anderen zu knüpfen, aufrecht zu erhalten und auszubauen.

Wenn also jemand Probleme hat, so kann sie oder er sich jederzeit an mich wenden. Ich werde immer ein offenes Ohr haben und vielleicht findet man dann auch gemeinsam einen Weg aus der vermeintlich verfahrenen Situation. Wenn ihr meine Telefonnummer noch nicht habt, so erhaltet ihr sie, wenn ihr mir eine kurze Mail schickt. Meine Email-Adresse lautet: lkosn@yahoo.de.

Ein weitere Möglichkeit Hilfe zu bekommen, ist sicher auch die Telefonseelsorge. Diese ist anonym und wird von geschulten Kräften durchgeführt.

Kommentare:

  1. Das war eindeutig ein Hilferuf.
    Gut, dass ihr reagiert und gehandelt habt.
    Es ist so traurig zu lesen, dass Eltern ihr Kind nicht mehr akzeptieren wollen. Wo ist ihre Liebe geblieben und wie würden die reagieren wenn sich ihr Fleisch und Blut infolgedessen umbringt, wäre das denen lieber? Bestimmt nicht!
    Diese Eltern sollten unbedingt aufhören nur an sich zu denken und endlich zu ihrem Kind stehen.
    Liebe Grüße

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  2. @Angelina
    Ja man sollte annehmen, daß Eltern das Wohl ihrer Kinder wichtiger sein sollte, als die Sorge, was andere Menschen über sie denken. Leider gibt es auch heute noch genügend Menschen, denen ihr Schein nach aussen wichtiger ist, als ihr Glück und das ihrer Angehörigen. Leider ist das Gefühl, was andere über einen denken, sehr schwer zu überwinden, zumindest habe ich auch selbst dabei meine Probleme und wäre ich nicht transident, würde ich vielleicht ähnlich denken, wie viele andere.

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  3. Ich möchte mich bei allen Bedanken die sich am Wochenende um mich Sorgen gemacht haben.
    Durch Ihren großen Einsatz weiß ich jetzt, daß niemand in unserer
    Situation allein gelassen wird.

    DANKE !!!!!

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  4. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  5. @Anonym - Johanna
    Hi Johanna, bitte schreibe mir an meine Email-Adresse lkosn@yahoo.de oder melde Dich per Skype bei mir mein Benutzername lautet michaela_fn - Skype-Button auf der rechten Seite.
    Ich bin mir sicher, daß ich dir auf irgendeiner Weise helfen kann.

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  6. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  7. @Anonym - Johanna
    Ich habe Deine Kommentare gelöscht. Trau Dich ruhig und warte nicht zu lange. Das Gefühl das du beschreibst kenne ich und geht nicht von selbst weg. Mache nicht die gleichen Fehler wie ich und versuche deine Befürchtungen zu überwinden.

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  8. Ich möchte Euch für diese Aktion ein riesiges Lob aussprechen. So viel Einsatz ist bei weitem nicht selbstverständlich. Da merkt man erst, dass man wirklich nicht alleine ist!
    Danke für solch eine Gewissheit!
    LG Christina

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  9. Michaela, können du und Farah nicht mal ein Video drehen indem ihr andere Menschen mit Transgendern konfrontiert? Mir (Johanna) würde das viel bringen. Und vielleicht könnt ihr auch im Video direkt den Leuten zusprechen. Du kannst dich ruhig auf mich direkt Beziehen, da ich ja riesen Probleme damit habe, meinen "wahren" Körper frei und selbstbewusst nach außen zu tragen!

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  10. Michaela, können du und Farah nicht mal ein Video drehen indem ihr andere Menschen mit Transgendern konfrontiert? Mir (Johanna) würde das viel bringen. Und vielleicht könnt ihr auch im Video direkt den Leuten zusprechen. Du kannst dich ruhig auf mich direkt Beziehen, da ich ja riesen Probleme damit habe, meinen "wahren" Körper frei und selbstbewusst nach außen zu tragen!

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