Montag, 4. April 2011

Gastbeitrag von Henriette: Round Table Gespräch über Transgenderprobleme

Henriette

Henriette ist eine transidente Frau, die Farah und ich  letztes Jahr zu einem Interview begrüssen durften (Farah im Gespräch mit Henriette). Sie lebt im Südschwarzwald und kommt seit über einem Jahr regelmässig zu unserem Transgender-Euregio-Treff. Sie engagiert sich ziemlich stark, was die Belange von Transgendern angeht und hat letztens ein Round-Table-Gespräch (RTG) organisiert, an dem mehrere Paare, wovon jeweils ein Teil davon Transgender ist, und ein Psychologe teilgenommen haben. Sie hat freundlicherweise einen kurzen Beitrag dazu geschrieben, den ich euch hier vorstellen möchte:

Round Table Gespräch über Transgenderprobleme

Henriette hat im März 2011 ein Round Table Gespräch mit einem Psychologen organisiert. Teilnehmer(innen) waren Transgender die in einer Ehe oder festen Partnerschaft leben. Das enggefasste Thema lautete:

Wie geht der Ehepartner(in) damit um, wenn ein Partner sich als Transgender outet.

Es waren 3 Transgender mit (Ehe)frauen zugegen. Alle, auch die (Ehe)frauen, haben ihre Situation und Ansicht dazu dargestellt und sich lebhaft an den Diskussionen beteiligt. Kommentare und Ratschläge des Psychologen sind im folgenden Gedächtnisprotokoll enthalten.

Gedächtnisprotokoll zum Inhalt des RTG

  1. Nach der Einführung durch den Moderator und der Selbstvorstellung des Psychologen schilderte jedes Paar seine Entwicklung in der Partnerschaft, die Zeit vor dem „Outing“ und wie sich das partnerschaftliche Verhältnis seit dem „Outing“ verändert hat.
  2. So ein „Outing“ kann bestehende Bindungen sprengen, es ist aber auch möglich, daß andere Randbedingungen - wie Festhalten am Beruf, enge, feste Bindung an die Partnerin – das „Outing“ dämpfen. 
  3. Konflikte sind in einer Partnerschaft unausweichlich. Konflikte müssen offen zur Sprache gebracht werden, nach einer für beide Seiten tragbaren Lösung muß gesucht werden, ggf unter Zuhilfenahme von „Fachleuten“.
    Aber! Man kann sich auch darauf verständigen, den Konflikt auf sich beruhen zu lassen!!
  4. Kinder in der TG Partnerschaft: Den Kindern nichts vormachen, nichts verheimlichen (es wird doch eines Tages bemerkt).
    Kindern in kindertauglicher Sprache den Sachverhalt erklären, ggf mit bildlichen Vergleichen.
    Kindern ist „Papa und Mama“ weitaus wichtiger als Mann oder Frau, daher wird es auch zu keiner Ablehnung kommen. Kinder nie belügen!!
  5. Ehefrauen haben i.a. Verständnis für Transgender, aber der eigene Ehemann bildet die Ausnahme.
    Geht der Ehemann einen Kompromiß ein – jeder gibt ein wenig nach, toleriert, nimmt sich zurück – so kann die Partnerschaft durchaus weiter bestehen bleiben. Ansonsten ist eine – zumindest örtliche –  Trennung eine Lösung. Ob Scheidung folgt, muß abgewartet werden.
  6. Wenn man sich trennt, kann die Liebe durchaus auf der menschlichen Ebene als eine feste, enge Freundschaft weiterbestehen. 
  7. Das Rollenverständnis, Mann ist Mann und Frau ist Frau, ist in der Gesellschaft immer noch fest verankert. Selbst Homosexuelle, die ja längst anerkannt sind, rütteln nicht daran. Der TG betritt aber gesellschaftpolitisches Neuland.
    Beispiel: „Haben Sie Vorurteile gegen Schwarze?“ „Natürlich nicht, aber er muß ja nicht gleich nebenan wohnen“. 
  8. Der TG ist in der Gesellschaft immer noch eine Randgruppe, Aufklärung tut not, aber wie?
    Indem der TG als „normaler“ Mensch auf die anderen zugeht, aufklärt und versucht das ggf falsche Bild von Transgendern zu korrigieren.
Ich möchte mit dieser – und vielleicht, wenn Interesse, in folgendem Round Table Gespräch – die übliche Stammtischkonversation erweitern. Es soll jedem Gelegenheit gegeben sein, seine Meinung, seinen  Standpunkt zu dem gegebenen Thema ausführlich darzulegen, und vor allem ein Feedback von den anderen Transgendern und auch dem Psychologen zu erhalten. Die eigene Problematik mal von anderer Seite  beleuchtet, kann jeden ein Stück weiterbringen. Kommentare zu diesem Artikel sind für eine mögliche Fortführung sehr nützlich, am 9. April beim nächsten TET bin ich auch persönlich ansprechbar.

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