Donnerstag, 12. April 2012

Fünf Dinge, die eine transidente Frau am besten nicht tun sollte



Ich habe gestern auf der Facebook-Chronik von Frau Kim Schicklang, sie ist Vorstandsmitglied von ATME e.V., ein sehr interessantes Posting gefunden, daß mich dazu veranlaß,t hier ein paar Zeilen zu schreiben, aber lest selbst:
Top 5, der Dinge, die eine transsexuelle Frau besser nicht tun sollte - oder: Die beliebtesten Fallen, die Du Dir selbst gestellt hast, und hinterher kein Mitleid erwarten solltest:

  1. Du antwortest auf die Frage "Du warst mal ein Junge, richtig?" mit "Ja"
  2. Du führst bei jeder Gelegenheit an, dass Du "als Frau lebst".
  3. Du schreibst Artikel darüber, wie es ist, sich als "Frau zu fühlen"
  4. Du erzählst, dass Du Dich unters Messer legen willst, damit Du eine "richtige Frau wirst"
  5. Du glaubst an "Bio-Frauen" und kämpfst dafür, dass Du dagegen eine "Transfrau" bist.
Gerade die ersten 4 Punkte erlebt man häufig, wenn man Medienberichte liest, sieht oder hört und die über das Thema Transidentität berichten. Gerade gestern Abend, war ein Bericht auf RTL2 zu sehen, wo die Protagonistin des Berichtes ganau in die oben beschriebene Falle getappt ist. Ich möchte hier nicht auf den Bericht von RLT2 verlinken und näher darauf eingehen, da er so schlecht war, daß ich diesen Bericht nicht weiter empfehlen kann.

Mir ist klar, daß man als transidente Frau, recht schnell in die Versuchung kommt sich entsprechend zu äussern, denn oft fällt es einem, jedenfalls mir geht es so, ziemlich schwer, einer Person die Situation in der man sich befindet so zu beschreiben, daß das Gegenüber, dies versteht und das ich nicht anfangen muß ein ungeheures Theoriegebilde herleiten zu müssen. Viele unserer Mitmenschen, die sich noch nie mit dem Thema Transidentität befaßt haben, verstehen die Beweggründe und auch die Motivation einer transidenten Person nicht. Das fängt im Prinzip schon damit an, daß vermutlich die meisten Menschen, sich noch nie darüber Gedanken gemacht haben, was es für sie selbst bedeutet eine Frau bzw. ein Mann zu sein und was das Frausein bzw. das Mannsein ausmacht und welche gesellschaftlichen Rollenerwartungen damit verbunden sind. Als Farah und ich letztes Jahr die Video-Umfrage "Wann hast du gemerkt das du Mann oder Frau bist"  durchgeführt haben, haben wir genau dieses beobachten können. Viele Personen, die wir gefragt haben, haben sich noch nie über die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht Gedanken gemacht. Für die meisten Menschen war klar, was sie sind und zwar aufgrund ihrer körperlichen Merkmale. Es ist deshalb auch sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, um die Situation von transidenten Menschen beschreiben zu können, denn es existieren eigentlich keine Ausdrucksweisen und Worte für etwas, daß es ja eigentlich nicht geben darf. Eine transidente Person stellt auf der einen Seite die geschlechtliche Zweiteilung der Gesellschaft in Frage, auf der anderen Seite wird durch das möglichst genaue anpassen der transidenten Person an die Rollenerwartungen des "neuen" Geschlechtes genau diese Zweiteilung gefestigt (Ich setze das Wörtchen "neuen" deshalb in Hochkommas, um klarzumachen, daß nicht das Geschlecht gewechselt wird, denn dieses "neue" Geschlecht war schon immer das Geschlecht dieser Person, auch wenn die Umwelt dies aufgrund ihrer äusseren Merkmale so nicht wahrnehmen konnte weil diese Person, die von ihrer Umwelt erwarteten Rollenverhalten soweit erfüllt hat, daß niemand auf die Idee gekommen wäre, daß es sich bei ihr z.B. nicht um einen Mann, sondern um eine Frau handelt. - Ihr merkt, ich ringe selbst mit den Worten und ich hoffe ich drücke mich so aus, daß man es auch verstehen kann und ich nicht in eine der Fallen tappe.).

Ich habe das Gefühl, daß zur Zeit noch Worte und Ausdrucksweisen innerhalb der Community gesucht werden, die zum einen, von Seiten der transidenten Menschen als für sie richtig empfunden werden können und zum anderen, auch von Menschen verstanden werden können, denen das Thema Transidentität fremd ist. Deshalb bin ich auch der Meinung, daß, wenn man sich mal falsch ausdrückt, das von Seiten anderer transidenter Menschen nicht gleich als Weltuntergang angesehen werden sollte, sondern eher als Ansporn, die Aufklärungsarbeit weiter voran zu treiben und sich weiterhin für die Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung von transidenten Menschen einzusetzen. 

Was haltet ihr von diesen 5 Dingen, die eine transidente Frau besser nicht tun sollte? Mich interessiert eure Meinung dazu, schreibt sie mir bitte in die Kommentare.

Kommentare:

  1. Stimme dir voll und ganz zu. Es ist wichtig, angemessene Worte zu wählen, aber teilweise auch unendlich schwierig. Für manche der unschönen Formulierungen kenne ich bis heute keine "politisch korrekte" Umschreibung, und will mir davon aber nicht die Möglichkeit nehmen lassen, über das Thema zu sprechen.

    Bei den Punkten 2 und 3 fehlt mir sogar ein wenig die Problemeinsicht. Cis-Frauen berichten doch teils auch darüber, wie man sich als Frau fühlt und was in ihrem Leben als Frau so alles passiert, was ihnen als Mann nicht passiert wäre.

    Ich selbst hatte übrigens nichts zu Kims Status geschrieben, weil ich es immer schwierig finde, die (meiner Meinung nach etwas übertriebene) Sprachfixiertheit von ihr bzw. ATME zu kritisieren, ohne dabei sie oder ATME insgesamt zu kritisieren, weil ich finde dass die Menschen dort auch sehr viel sinnvolles tun, dem ich nicht im Wege stehen will.

    Und die Sendung auf RTL II...wenn man sie ohne Ton geschaut hat, war sie meiner Meinung nach ok - nicht mehr und nicht weniger. Aber durch die konsequente Verwendung von Formulierungen, bei denen absolut jedem Deppen klar ist, dass sie völlig unangemessen sind, haben einem ja nach 3 Minuten schon die Ohren geblutet. Furchtbar!

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  2. Gerade der 5. Punkt ist sehr wichtig. Weder transidente Frau noch sonst ein Transfrauen schmarrn bringen eine weiter. Entweder man ist Frau oder eben nicht. Alles dazwischen ist nur noch lächerlich.

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  3. ...
    Nach einigen Anfragen gibt es bei Erlebnisse und Gedanken Ratschläge für die ersten Schritte bei Transidentität und fünf Dinge, die transidente Frauen besser nicht tun sollten. Das größte Problem: Im Deutschen fehlt es derzeit noch an der Sprache, an den passenden und verständlichen Worten und Formulierungen.
    ...

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  4. Also von den fünf Dingen die Du oben aufgezählt hat, habe ich noch niemals auch nur eines getan. Allerdings stimme ich Dir zu, dass es mitunter nicht einfach ist, sich "politisch korrekt" auszudrücken.

    Aber wenn ich dann lese, was eine transidente Frau über sich selbst schreibt, "Eigentlich bin ich ein ganz normaler Mensch wie jeder andere auch. Aber ich habe eine Besonderheit – ich wurde als Junge geboren", dann ist das eigentlich der Worst Case überhaupt. Mit dieser Aussage hätte sie eigentlich bei jedem Gutachter durchfallen müssen. Aber zum Glück ist dem nicht so. Ich habe sie noch nicht darauf hinweisen können, denn die ist gerade in der Klink. ;-)
    Vielleicht ist es aber auch nur so, dass wir viel engere Grenzen anlegen als es die nicht Betroffenen Personen tun würden. Vielleicht kommt es daher, dass wir uns einfach mit dem Thema befasst haben.

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  5. Man könnte noch einen sechsten Punkt hinzufügen:
    "6. Du stellst Regeln auf, wie andere transidente Menschen sich verhalten sollten, weil Du der festen Meinung bist, daß alle Transgender gleich fühlen, ein gleiches Verständnis ihrer Transidentität haben und deshalb auch den gleichen Weg in ihrem Leben gehen müssen."

    Ja, es ist nicht leicht, anderen Menschen unser Lebensgefühl und unser Selbstverständnis mit den exakt richtigen Worten zu beschreiben. Erschwerend kommt hinzu, daß niemand von uns stellvertretend für alle anderen Transgender sprechen kann. Und schließlich spielt auch noch unser jeweliger Gesprächspartner eine Rolle.
    Wenn mein Gegenüber auf die Frage, ob ich denn einmal ein Mann war, eine einfache, für ihn verständliche Antwort erwartet, dann werde ich ihm ganz bestimmt nicht eine Zurechtweisung verpassen und die Art seiner Fragestellung kritisieren. Er bekommt sein "Ja!" - vielleicht noch mit einem angefügten "aber gezwungenermaßen" - und das ist sicherlich der bessere Einstieg in eine anschließende Unterhaltung, bei der man dann nebenbei ein paar sprachliche Ungenauigkeiten glatt bügeln kann.
    Dogmatische Verhaltensvorschriften helfen meiner Meinung nach aber wenig.

    (Anmerkung: Punkt 4 als Vorbeugung von Diskriminierung innerhalb der transidenten Community unterschreibe ich selbstverständlich!)

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  6. Ich persönlich mache manche dieser "Fehler", aber auch nur deshalb, da ich ja nichts anderes sagen kann. Wenn ich im Alltag jemanden erzähle, ich bin eine Frau, aber optisch sehe ich noch nicht ganz danach aus, dann würde ich mich ja selber bloßstellen.
    Ich würde einfach sagen, ich habe eine feminine Identität und daher auch ein feminines Wesen und lebe einfach so.
    Das würde mir reichen der Außenwelt zu sagen. Ganz engen Freunden würde ich dann noch sagen, dass ich auch anstrebe, meinen Körper soweit ich möchte (nicht so weit es medizinisch geht) anzugleichen. - Somit ist auch klar, dass es sich um die Identität des Menschen und nicht in erster Linie um den Körper handelt, obwohl letzterer dennoch für mich persönlich in den Mittelpunkt gerät.
    Außerdem würde ich auch nicht gleich sauer werden, wenn jemand schreibt "War mal ein Mann". Ich meine, biologisch und optisch war ich es ja, bzw. wäre ich es auch noch weiter zum Teil (biologisch). Also wäre an dieser Aussage auch nichts falsch.
    "als Frau leben, als Frau fühlen"
    Dazu kann ich nur sagen, dass solche Beschreibungen in den Psychologie-Büchern stehen und deshalb übernommen werden. Für viele Außenstehende ist das irgendwie einfacher, dennoch würde ich dann einfach sagen, weil ich von der Identität und dem Wesen so bin.
    Bei mir würden sowieso die meisten auf die Idee kommen (wenn sie merken, dass ich nicht Homosexuell bin), dass ich möglicherweise "lieber eine Frau wäre".
    Ich denke, das bezieht sich dann in erster Linie auf das Optische und dann wäre es ja nicht falsch, wenn die anderen das denken.
    Das ich vom Charakter und der Identität her feminin bin merken die anderen ja von selbst, das müsste ich denen ja nicht noch zusätzlich erklären.

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  7. Ich werde mit meinem Psychologen bald den Weg beginnen zu gehen. Dennoch bleibe ich dabei authentisch zu sein. Ich möchte niemanden etwas vorspielen sondern mich so geben, wie ich bin, denn dann merken auch die anderen, wie ich bin.
    Außerdem möchte ich auch zu meiner Vergangenheit stehen und die nicht einfach wegwerfen. Sie gehört zu mir, wie mein jetziges und späteres Leben auch.
    Rückblickend waren diese 5 Fallen, eher 5 Türen zur totalen Abschottung des bisherigen Lebens. Das habe ich persönlich erfahren und das war nicht gut.
    Jetzt gehts mir besser und daher habe ich mehr Kraft und auch den Willen, meinen Weg zu gehen.

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  8. Hallo,
    also ich war schon immer Frau! Nur habe ich es einige Zeit nicht erkannt, weil der Körper drum herum der falsche war.
    LG
    Xenia

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    1. Ja liebe Xenia, das geht vielen von uns so, aber irgendwann, merkt man dann doch was los ist.
      Liebe Grüsse vom Bodensee,
      Michaela

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