Donnerstag, 16. Juni 2011

Ist die Cloud die Zukunft ?


Vor etwas über 10 Jahren hatte schon einmal jemand die Idee des Netzcomputers. Es war, wenn ich mich richtig erinnere, der Chef von Oracle. Damals schien mir die Idee, daß ich alle meine Daten, irgendwo in einem Rechenzentrum speichern sollte und daß ich selbst nicht mehr physisch darauf zugriff habe vollkommne absurd. Damals dachte ich mir, daß das vielleicht für Unternehmen interessant ist. Wenn ich mir die Nutzung meines Firmenrechners anschaue, dann könnte ich dabei auf eine große Festplatte verzichten. Die Programme und die Nutzungsdaten liegen meistens sowieso im Firmennetzwerk oder auf irgendwelchen Servern, zumindest bei mir.

Was mir damals als völlig widersinnig erschien, sieht für mich heute ganz anders aus. Damals hatte ich noch einen Internetzugang über Modem bzw. ISDN. Heute bin ich praktisch immer Online, egal ob ich zu Hause bin oder im Büro sitze. Damals war es praktisch nicht möglich grössere Datenmengen auf einen Server zu laden, ohne daß man selbst bei kleinen Fotos oder Musikstücken gleich eine halbe Stund hätte warten müssen. Es war damals auch unvorstellbar, daß ich Videos mit mehreren 100 MB größe auf eine Videoplattform hochladen könnte. Alleine die Datendurchsatzrate war ein limitierender Faktor für so etwas wie Cloud-Computing (was es de-facto heute ja auch noch ist). Inzwischen sieht die Sache ganz anders aus (solange man nicht auf dem Land wohnt). Die Möglichkeiten sind da so stark gewachsen, daß es mir inzwischen als durchaus praktikabel erscheint, für gewisse Anwendungen nicht auf meinen gewohnten Rechner zu setzen und vielleicht einen Rechner wie das Chromebook von Google zu nutzen. Nicht nur daß ich mich in den letzten Jahren an die bereits bestehenden Netzanwendungen gewöhnt habe, sondern auch deren Komfort, hat dazu beigetragen, bei mir einen Umdenkprozess einzuleiten.

Was sind denn nun die Vorteile, die ich am Cloud-Computing so reizvoll finde:
  • Die meiste Zeit nutze ich meinen Computer für Internetsachen
  • Die meisten Anwendungen im Internet erfordern keine große Ausstattung an Rechenenleistung
  • Rechenleistung, die ich eventuell einmal brauche, muß ich nicht auf Verdacht kaufen und nutze sie dann meistens aber doch nicht.
  • Ich muß mir keine Sorgen machen, daß meine Daten durch einen Virus oder einen Hardwareschaden verloren gehen.
  • Ich kann von überall auf der Welt, auf meine Daten zugreifen, sofern ich einen Internetanschluss habe.
  • Ich kann meine Daten eventuell auch mit anderen Personen Teilen und mit ihnen zusammen an einem Projekt über große räumliche Entfernung zusammenarbeiten.
  • Der Administrationsaufwand bezüglich meines Computers verringert sich.
  • Meine Energiekosten sinken eventuell für den Betrieb eines Computers bzw. Notebooks.
Diese Nachteile sehe ich im Cloud-Computing:
  • Ohne Internetanschluss komme ich nicht an meine Daten.
  • Manche Anwendungen sind zur Zeit noch nicht zufriedenstellend in der Wolke realisiert.
  • Das Arbeiten mit Anwendungen, die ein großes Datenvolumen mit sich ziehen, wie Videoschnitt, lassen sich ohne eine sehr sehr schnelle Internetanbindung nicht zufriedenstellend durchführen.
  • Es besteht die Gefahr, daß Unbefugte auf meine Daten zugreifen können. Ich muß mich auf die Sicherheitsmaßnahmen des Cloud-Betreibers verlassen, ebenso auf dessen Back-Up Lösungen.
  • Ich bin darauf angewiesen, daß der Cloud-Betreiber zu jeder Zeit verfügbar ist und seine Ausfallsicherheit  sehr hoch ist.
  • Je mehr Benutzer auf Cloud-Computing setzen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß die Datenrate meines Internetproviders in die Knie gehen kann und ich auf meine Anwendung warten muß.
  • Die Energiekosten steigen für den Betrieb der Serverfarmen und der Internetleitungen.
Wenn ich hier von Daten rede, dann meine ich natürlich alle Arten von Daten. Es kann sich dabei um Musik, Videos, Textdateien, Fotos, Datenbanken, Geschäftsanwendungen usw. handeln., auch überschneiden sich so manche Vor- und Nachteile natürlich. Diese Aufzählung ist sicher nicht vollständig und ich würde mich auch interessieren, was ihr von Cloud-Computing haltet. Mein Fazit jedenfalls lautet, daß ich dem Ganzen eher positiv gegenüber stehe. Mir macht es nichts aus, daß manche meiner Daten, auf Servern von Goolge, Flickr oder Apple liegen. Man kann mich vielleicht etwas zu vertrauensseelig bezeichnen, wenn ich sage, daß ich diesen Firmen vertraue und ich davon ausgehe, daß sie meine Daten auch so behandeln, daß ausser mir sonst niemand darauf zugreift. Mir ist schon klar, daß rein theoretisch jeder Adminstrator meine Sachen einsehen könnte, aber ich denke, daß das so wie mit den Postkarten ist. Postkarten können zwar auch rein theoretisch von einem Postboten oder Briefverteile gelesen werden, aber er macht es normalerweise nicht, weil er gar keine Zeit dazu hat und in seinem Leben schon so viele Postkarten in Händen gehalten hat, daß ihm das auch nicht mehr interessiert (Ich spreche aus Erfahrung, ich habe vor einigen Jahren mehrmals als Briefzustellerin in den Semseterferien gearbeitet). Für mich überwiegen die Vorteile den Nachteilen. Da ich erfahrunggemäss die meiste Zeit des Tages sowieso in irgendeiner Weise online bin und auch bis jetzt, mit sehr wenigen Ausnahmen, keine Ausfälle erlebt habe, gehe ich mal davon aus, daß dies auch in Zukunft so sein wird und hoffe, daß auch meine Daten zu den Zeiten erreichbar sind, an denn ich sie benötige.
Wie ich oben geschrieben habe, sehe ich natürlich Anwendungen, die ich auch weiterhin mit meinem MacBook Pro ausführen werde. Vor allem den Videoschnitt oder Bildbearbeitung kann ich mir ohne eine rasend schnelle Internetanbindung nicht als Webapplication vorstellen. Andererseits, sollte dieser limitierende Faktor einmal behoben sein, wäre es natürlich sehr praktisch, den Rechenknecht im Netz zu bemühen und nicht für die paar Mal, wo ich die Rechenleistung dann wirklich brauche in Vorleistung gehen zu müssen.

Aus all diesen Gründen und weil ich den Ansatz  unheimlich spannenden und interessanten finde, habe ich mir heute das Chromebook von Samsung bzw. Google bei Amazon bestellt. Es kommt nächste Woche am Freitag (24.06.2011) auf den Markt und ich bin schon sehr gespannt darauf, denn für die von mir genutzten Webanwendungen ist meiner Meinung nach die Leistung des Chrombooks ausreichend und die Tests, die ich bis jetzt gelesen habe, haben meine Meinung bestärkt. Ich nutze auch jetzt den Browser von Google und er gefällt mir. Obwohl ich einen Apple nutze finde ich Chrome besser als Safari, ganz zu schweigen von Fire Fox. Mich würde sehr interessieren, wie ihr über das Chromebook von Google denkt. Hat es eurer Meinung nach eine Zukunft? Ist es vielleicht sogar die Zukunft oder ist es ein Irrweg? Bitte schreibt mir in den Kommentaren eure Meinung dazu, wie haltet ihr vom Cloud-Computing?

Kommentare:

  1. Hallo Michaela!

    Der größte Knackpunkt am Cloud-Computing ist die Datensicherheit und der Datenschutz. Diejenigen, die ein großes Interesse an den Daten anderer haben, sitzen schon in den Startlöchern und warten nur darauf, die Cloud eines großen Anbieters knacken zu können, um sich anschließend an den privaten Daten von Wildfremden zu ergötzen oder Kapital daraus zu schlagen. Es ist meiner Meinung nach auch keine Frage, ob die Sicherheitsanstrengungen der Cloud-Anbieter diesen Spionagebemühungen standhalten, sondern nur, wann es passiert und wie lange es dann dauert, bis es öffentlich bekannt wird.

    Solange mein privater Kram auf meinem lokalen PC abgespeichert ist, bin ich zwar selbst für die Datensicherheit verantwortlich, hab aber in gewisser Weise einen Daumen darauf, wer auf welche Weise darauf zugreifen kann. Mit ein bißchen Disziplin und Aufmerksamkeit kann ich meine Daten also gegen die meisten unbefugten Zugriffe schützen. Liegen sie jedoch einmal irgendwo in den Weiten des Netz - möglicherweise auf Servern in Ländern, die in diesem Zusammenhang eine ganz andere Rechtsauffassung haben haben als wir hier in Europa - habe ich definitiv keine Kontrolle mehr darüber. Ich halte es deshalb wirklich für ein bißchen blauäugig, zu glauben, daß niemand der Verlockung erliegt, einen Blick darauf zu werfen und sich - falls ihm gefällt, was er findet - seine eigene Kopie zu machen.

    Dein Postkarten-Vergleich ist zwar gar nicht mal so schlecht, allerdings schreiben die meisten Menschen - eben, weil sie wissen, wie "öffentlich" Postkarten sein können - nur belanglose Sachen darauf. Sobald es ans Eingemachte geht, ist ein verschlossener Brief schon ein gutes Stück sicherer; besser noch wäre eine persönliche Unterhaltung.
    Auf die Cloud bezogen bedeutet das, daß man sich immer sehr wohl überlegen sollte, welche Daten man in ihr bearbeiten möchte. Eine Bildbearbeitung von nichtssagenden Landschaftsaufnahmen ist da sicher problemlos, das Redigieren eines Textes, in dem man sehr private Sachen (aktuelle Stimmungen, Emotionen, Meinung zu brisanten Themen etc.) preis gibt, könnte sich jedoch als problematisch erweisen.

    Grundsätzlich gefällt mir aber Dein Ansatz, eine Diskussion darüber anzuwerfen, und ein bißchen bin ich auch auf die Ergebnisse Deines Selbstversuches mit dem Chromebook gespannt. Vielleicht magst Du ja demnächst etwas in Deinem Blog darüber schreiben.

    Viele Grüße,
    Yva

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  2. Hi Yva,
    ja die Datensicherheit ist der Knackpunkt am Cloud-Computing. Ich vertraue dabei auf die Fähigkeiten von Google&Co. Klar wurden schon einige namhafte Betreiber von Rechenzentren geknackt, letztens erst Sony. Ich glaube aber, daß die Bemühungen von professionellen Anbietern besser ausfallen als meine eigenen, dafür wird aber wahrscheinlich mein Rechner zu Hause auch kein lohnenswertes Ziel für entsprechende Angriffe sein.

    Egal, was jetzt sicherer scheint, eine absolute Sicherheit gibt es auch nicht. Klar wie du schreibst, muß man sich schon überlegen, was man wo hinterlegt. Ich würde z.B. auch mein Tagebuch nicht auf meinem Rechner ablegen, sondern klassisch in meinem kleinen Büchlein schreiben (was ich auch tue). Aber selbst, daß könnte, wenn bei mir eingebrochen werden würde geklaut werden und von jemanden gegen mich benutzt werden. Ich glaube, wenn man so anfängt verfällt man ziemlich schnell einer Paranoia.

    Ich glaube du hast recht, wenn du schreibst, daß man sich überlegen sollte, welche Daten man wo ablegt. Wobei ich bei meinem persönlichen Kram davon ausgehe, daß meine Sachen nicht so interessant sind, daß sie von irgend einem kriminellen Subjekt begehrt werden könnten. Immerhin wird meine Kontonummer auch in einem Rechenzentrum abgelegt, meine Kreditkartendaten befinden sich auch bei mehreren Versanhändlern im Speicher usw. Ich glaube, daß diese Datensätze sehr viel eher Ziel von Angriffen werden, als ein paar Fotos, Briefe oder Musik von mir.

    Ich werde über das Chromebook berichten. Ich freue mich schon darauf.

    Liebe Grüsse vom Bodensee,
    Michaela

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  3. Hallo!

    Ich Frage mich schon seit längerem wie sicher überhaupt etwas ist was ich irgendwo irgendwie Preis gebe. Meine gewerblichen Steuerdaten z.B. befinden sich auf meinem Laptop. Dummerweise laufen die meisten guten Buchhaltungsprogramme größtenteils auf Windows. Ist Windows sicher? Nein! --- Ich könnte die Daten auch bei meinem Anbieter der Buchhaltungssoftware online speichern aber ist das noch sicherer? Mmhhh? --- Was mache ich also: ich benutze Windows nur um meine Buchhaltung zu machen und gehe damit möglichst selten Online. Der Rest läuft unter Linux.

    Ich für mich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass wo immer ich einen Rechner benutze, meine Daten genauso sicher und genauso unsicher sind wie die ausgedruckte Hardcopy in meinem Aktenschrank. Ansonsten müsste ich meinen Rechner genauso wegschließen wie die Unterlagen von denen ich der Überzeugung bin dass sie "geheim" bleiben müssen.

    Unsere persönlichen Daten geben wir doch tagtäglich Preis. Sei es beim Einkaufen mit EC-Karte und beim Punktesammeln mittels Payback, beim Shoppen via Mailorder (egal ob online oder offline) oder bei der so lebensnotwendigen Benutzung von Facebook oder Webmail. Alle unsere Abrechnungen und amtlichen Stammdaten laufen über Großrechner deren Sicherheit nur eine Datenschutzgesetz garantiert - was aber auch zuweilen nicht davor Schützt dass die Daten "aus versehen" doch ungesichert übertragen werden oder verschwinden. Man könnte das jetzt noch beliebig ausholen...

    Jetzt zum Rechner: Was mich immer geärgert hat ist die Peripherie die ich beim Computer benötigt habe. Da war/ist nicht nur der Rechner selbst, sondern nach Möglichkeit auch eine externe HD für Backups oder um es noch sicherer zu machen gleich eine Zweite (man weiß ja nie - ist alles schon passiert.). Dann gibt es noch die Geschichte mit den portablen Speichermedien wie USB-Stick und SD-Card etc. (..wo hatte ich den Stick noch gleich hingelegt?..). Ach ja und selbst heute noch brauche ich für große Softwarepakete eine Installations-CD/DVD....Um es kurz zu machen, für mich ist schon die Existenz von Netbooks genial. Nicht nur dass die Dinger kleiner und leichter sind, sondern sie konzentrieren sich auf das Notwendigste und kosten nur einen Bruchteil von den großen. Wenn diese Dinger jetzt noch ein System haben dass nur online arbeitet so finde ich das eine gelungene flexible Lösung die zudem meiner Vorstellung vom Leben mit dem Computer sehr entgegen kommt.

    Vorausgesetzt ist für mich allerdings, dass die Systeme in einer ansprechenden Geschwindigkeit arbeiten und mir ein Onlinezugang zur Verfügung steht. Dass das alles eine Grundsicherheit voraus setzt, ist glaube ich klar. Aber ich denke nicht, dass diese Systeme in unserer präsentations- und kommunikationsgeilen Gesellschaft ein Nischendasein fristen werden. Unsere konservativ gedachte Datensicherheit geht sowieso schon seit Jahren den Bach runter. Und wer damit nicht klar kommt, wird möglichst lange bei seinen alten Systemvarianten bleiben. Was dann letztendlich die Zukunft darstellt, werden wir sehen.

    Liebe Grüße,
    Christina

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  4. Cloud computing finde ich eigentlich gut.
    Wir laden doch schon seit längerer Zeit unsere Emails auf Servern oder Fotos.
    Ich finde Cloud praktisch.^^

    Genauso gut (wer es möchte) reicht auch ein usb Stick oder eine kleine händliche Festplatte.

    LG Sandra

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  5. Ich habe ja meine Probleme mit der Cloud, auf der einen Seite denke ich, dass es die Zukunft sein kann, auf der anderen Seite habe ich arge Probleme mit Datenkraken, denn woher soll ich wissen, was die Cloud-Besitzer mit dem Wissen macht, dass er durch die gesamten Daten gewinnt. So finde ich den Scan der Mails bei Google schon auffällig, vom gläsernen Facbook-User ganz zu schweigen.

    Ich möchte meine Gedanken, meine Daten, die Daten von Freunden u.ä. nicht rechtsfrei im Netz oder einer Cloud schweben haben.

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  6. Hallo, ich denke dass Cloudcomputing und Cloud Working vor allem für Unternehmen immer wichtiger wird - trotz der Sicherheitsaspekte. In ein paar Jahren wird die Cloud schon Standard sein.

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  7. also ich mache mir es da etwas einfacher..!
    ich bewege mich im Internet in der Öffentlichkeit und verhalte mich entsprechend...

    90% meiner Daten, Fotos, Berichte ect. sind eh öffentlich im Blogger, Facebook, Buzz oder Twitter gepostet... daher für Jeden sichtbar, auch wenn man durch "Privatsphären-Einstellungen" das angeblich einschränken kann, was eh ein Witz ist..!

    daher finde ich für meinen Bereich, das Cloud-Computing bedenkenlos..
    LG aus Málaga
    Reifi

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