Donnerstag, 10. November 2011

Buchrezension: "Flavia de Luce - Halunken, Tod und Teufel" von Alan Bradley



Es ist Kirmes in Bishops Lacey und natürlich ist auch die Familie de Luce mit dabei. Flavia läßt sich bei einer alten Zigeunerin die Zukunft vorhersagen und dabei geschieht ein kleines Malheure und das Zelt der Wahrsagerin in Flammen auf. Flavia fühlt sich schuldig und hilft der alten Dame für sich und ihrem Wagen einen Unterstand zu finden, der auch gleich ausgemacht ist, nämlich im Gehölz. Flavia weiß natürlich nicht, daß ihr Vater vor vielen Jahren, die Zigeunerin und ihren Mann vor vielen Jahren einmal von dort vertrieben hat und der Ehemann der Zigeunerin darauf hin einen Herzinarkt erlitten hat. Auch weiß sie da noch nicht, daß der alten Zigeunerin bei ihrem letzten Besuch in Bishops Lacey eine Kindesentfühung angehängt werden sollte und die Familie des vermeintlich entführten Kindes einen großen Groll gegen hegt. Es kommt also wie es kommen muß, es geschieht ein Gewaltverbrechen und die alte Zigeunerin wird zusammengeschlagen und Flavia de Luce ist wieder mitten in einem Fall, der wieder Licht in die Vergangenheit der Bewohner rund um Bishops Lacey bringt. Auch wenn auf dem ersten Blick alles sehr beschaulich und harmlos aussieht, so schafft es Flavia wieder einmal hinter die Fassaden der Bewohner zu blicken.

Der 3. Fall von Flavia de Luce ist wieder einmal sehr spannend und in einer sehr schönen und verständlichen Sprache geschrieben. Man erfährt mehr aus dem Leben der Bewohner von Buckshaw und wie es um die finanzielle Situation von Colonell de Luce steht. Man hat ja schon in den ersten beiden Büchern mitbekommen, daß durch den Tod von Flavias Mutter, der das Anwesen gehörte, ein finanzielles Fiasko droht. Hier zeichnet sich ein Handlunsstrang ab, der sicher in einem der folgenden Büchern zu einem Höhepunkt kulminieren wird. Ich persönlich hoffe dabei natürlich, daß Flavia diejenige sein wird, die den Familienbesitzt der de Luces retten wird, aber wie es hier weiter gehen wird, wird wahrscheinlich nur Alan Bradley selbst wissen.

Auch lernt man Flavia besser kennen. Hinter der Maske des neugierigen Mädchens, heute würde man sie wohl als Nerd bezeichnen, das über alles bescheid wissen möchte, merkt man, daß sie sich sehr einsam und verlassen fühlt. Ihre Schwestern pissaken sie und sie versucht sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln an ihnen zu rächen, was aber auch nicht immer klappt und sie ihren Schwestern auch nicht näher bringt. Ihr Vater entspricht dem Ideal eines englischen Gentlemans der damaligen Zeit und tritt stets kühl und kontrolliert auf. Man sieht im nicht an welche Gefühle er hat und nur seine Kinder können an Hand von gewissen Eigenheiten erahnen, wie er sich hinter seiner Maske wohl fühlen muß. Leider kann er auch seinen Kindern keine Geborgenheit und Nähe bieten und so sind die drei Schwestern mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. Die Einzigen, zu denen ein emotionaleres Verhältnis besteht sind Dogger, der Butler des Hauses und Ms. Mullet, die Haushälterin. Flavia freundet sich im Laufe der Geschichte mit der Enkelin der alten Zigeunerin an und man merkt dabei, wie sehr sich Flavia nach einem Menschen sehnt, der ihr Verständnis und Wertschätzung entgegen bringen kann. Dieser Mangel an menschlicher Wärme wird auch metaphorisch angesprochen, als sich Flavia darüber beklagt, wie kalt es in ihrem Zimmer sei, das nicht über eine Heizung verfügt und in dem das Wasser durch die baufälligen Wände bei Regen kommt. So wie sie sich nur selbst behelfen kann um nicht zu erfrieren und sich mit Decken wärmen muß, so ist sie auch sonst auf sich gestellt und kann nicht auf Hilfe oder menschliche Wärme aus ihrem Umfeld hoffen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und es war das erste Mal, daß ich das Buch auch tatsächlich gelesen habe. Bis jetzt habe ich die Bücher über Flavia de Luce nur als Hörbücher gehört und es war für mich diesmal ein echtes Leseerlebnis, eine meiner Lieblingsfiguren der letzten Zeit lesend kennen zu lernen. Ich fand die Geschichte sehr facettenreich und spannend. Mir hat auch sehr gut gefallen, daß man Flavias Verletzlichkeit und Einsamkeit spüren kann und dies macht meiner Meinung nach, die Figur so menschlich und glaubwürdig. Ich kann das Buch jedem Empfehlen, der gerne Krimis liest und auch etwas über die Lebensumstände des ländlichen Englands der 1950er Jahre erfahren möchte. Ich gebe dem Buch 5 von 5 möglichen Sternen.


Buchrezension: Flavia de Luce - Halunken, Tod & Teufel von Alan Bradley
auf dem YouTube-Kanal von Michaelas Welt

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