Donnerstag, 30. Mai 2013

Treffen im Sozialministerium Baden-Württembergs zum Aktionsplan für Toleranz und Gleichstellung

In Baden-Württemberg gibt es das Netzwerk LSBTTIQ. Der Name steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Tansgender, Intersexuelle und Queer. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat vor einen Aktionsplan für Toleranz und Geleichstellung zu erarbeiten und durchzuführen. In diesem Rahmen, ist dieses Netzwerk der Ansprechpartner der Landesregierung. Das Netzwerk wird durch einen Sprechendenrat nach aussen vertreten und besteht zur Zeit aus vier Personen. Da es sich in Vorbereitung dieses Aktionsplanes gezeigt hatte, daß die Situation von Transsexuellen, Transgendern und Intersexuellen (TTI) eine ganz besondere Situation ist, wurde gestern am Mittwoch im Sozialministerium von Baden-Württemberg ein Gespräch mit Vertretern aus diesem Bereich durchgeführt. Zu diesem Gespräch waren Vertreterinnen von 


anwesend, sowie zwei Vertreterinnen des Sprechendenrates des Netzwerkes LSBTTIQ.

Ihr merkt schon, die Vertreterin des TETs war ich und habe somit auch bei diesem Gespräch mitgewirkt. Das Gespräch wurde durch das Sozialministeriums initiiert. Ziel des Treffens war es, das ungefähr zwei Stunden ging, das sich die Beteiligten des Sozialministeriums ein Bild der speziellen Situation transidenter Menschen und Transgendern machen zu können um deren Anliegen im Rahmen des Aktionsplanes besser berücksichtigen zu können.  Ziel dieses Treffens im Ministerium war es jetzt nicht, bereits konkrete Schritte zu formulieren, dieses soll erst im Rahmen des Aktionsplanes für Toleranz und Gleichstellung erarbeitet werden. 

Der Aktionsplan sieht vier Phasen vor, diese wären

  1. Analyse
  2. Beteiligung
  3. Strategie Entwicklung
  4. Veröffentlichung
Im Rahmen der Beteiligungsphase sind vier Workshops vorgesehen, die in den verschiedenen Landesteilen Baden-Württembergs durchgeführt werden sollen. In diesen Workshops sollen sich zum einen die Betroffenen, also alle die sich zu einer der Gruppe des LSBTTIQ-Netzwerkes zugehörig fühlen, zu Wort kommen und ihre Probleme darlegen. Zum anderen sollen aber auch Vertreter der örtlichen Verwaltung und alle anderen Personen, die sich für das Thema interessieren und mitwirken wollen, sich hier einbringen und Vorschläge vorbringen können, wie eine Gleichstellung und verbesserung der Akzeptanz erreicht werden kann. Diese Beteiligung soll auf einer möglichst breiten Basis gestellt werden, zumindest habe ich das so verstanden, denn diese Workshops sollen durch die Presse begleitet werden, um so schon in dieser Phase eine möglichst große Öffentlichkeitswirkung erzielen zu können. Wie gesagt, diese Beteiligungsworkshops sollen eben nicht im stillen Kämmerlein stattfinden, sondern öffentlich und wenn möglich mit einer besonders breiten Beteiligung durch die Öffentlichkeit. In diesen Workshops sollen dann Empfehlungen und Maßnahmen für die Politik erarbeitet werden, die dazu beitragen sollen, daß Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und queere Personen in der Gesellschaft weniger Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren.


Das Gespräch im Sozialministerium war, wie schon erwähnt, angesetzt, damit die Damen und Herren des Sozialministeriums, die hier Federführend sind, sich ein besseres Bild über die besondere Situation von transsexuellen Menschen machen konnten. Das Gespräch verlief in einer sehr offenen und freundlichen Atmosphäre. Gleich während der kurzen Vorstellungsrunde wurde ersichtlich, daß es innerhalb der Gemeinschaft der Transsexuellen unterschiedliche Auffassungen über die Begrifflichkeiten gibt, manche Anwesenden bevorzugen das Wort Transident und andere lehnen diesen Begriff völlig ab. Ich gehöre zu denen, die das Wort Transident bevorzuge und ich habe mit dem Wort Transsexualität so meine Probleme. Im laufe des Gesprächs wurde darauf hingewiesen, welche rechtlichen und medizinischen Probleme manche transidente Personen auf ihrem Weg haben und ich glaube, die Vertreterinnen der verschiednen transgeschlechtlichen Gruppen, konnten die besondere Problematik mit denen sie in ihrem Leben konfrontiert sind, recht gut darlegen und Verständnis für unsere Situation erzeugen. 

Der nächste Entscheidende Schritt im Rahmen dieses Aktionsplanes ist jetzt, daß sich möglichst viele Personen bei den Workshops beteiligen. Gerade damit das Anliegen von Transsexuellen, Transgender und Intersexuellen möglichst gut berücksichtig werden kann, sollten gerade hier, möglichst viele Betroffene mitwirken und zu den Workshops gehen. Die Workshops sind ab Herbst 2013 in Mannheim, Freiburg, Stuttgart und Ulm vorgesehen, so die bisherige Planung. 

Ich habe vor, daß ich bei diesen Workshops so gut ich kann mitmachen werde, wobei ich noch nicht weiß, ob ich zu dem Workshop nach Mannheim fahren werde, denn Mannheim ist vom Bodensee doch ziemlich weit entfernt. Ich glaube, daß dieser Aktionsplan eine gute Möglichkeit bietet, hier etwas für die Akzeptanz transgeschlechtlicher Personen zu tun und ich hoffe natürlich, daß dieses Ziel erreicht werden kann und die Menschen, die bis jetzt noch nie in Kontakt mit einer transidenten/transsexuellen Person gekommen sind, merken, daß wir ganz normale Menschen sind, vor denen man keine Angst zu haben braucht.

Kommentare:

  1. Vor Transsexuellen hat kein Mensch Angst,Ängste bauen sich bei den Menschen nur auf,wenn nicht adaptierte Transsexuelle plötzlich mit abstrußen Forderungen auftauchen! Einzelne Transsexuelle kann man gut integrieren,wenn Transsexuelle in der Mehrzahl auftreten,dann wird es regelmäßig peinlich! Akzeptanz kann man zwar fordern,aber Akzeptanz muß man sich erarbeiten und zwar jeder Einzelne für sich selbst. Obwohl ich selbst TS bin,schäme ich mich oft für viele TS wie sie in der Öffentlichkeit auftreten

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    1. Stimmt, Akzeptanz muß man sich erarbeiten, darum geht es letztendlich auch bei diesem Aktionsplan.
      Das manche TS sich nicht vorteilhaft für die Community zeigt, das liegt wohl in der Natur des Menschen, denn jede TS ist anders, so wie alle Menschen verschieden sind.

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  2. Akzeptanz muss man sich nicht erarbeiten!!! Akzeptanz ist etwas was es für alle Menschen in unserer Gesellschaft geben sollte. Solange sich nicht ALLE Menschen einzeln Akzeptanz erarbeiten müssen, sondern einige diese einfach so haben (Privilegien) kann ich deiner Aussage leider nicht zustimmen.
    Ich finde das Treffen eine großartige Sache und bin sehr gespannt was dabei erarbeitet wird. Ich freue mich auf weitere Berichterstattung.

    Grüße

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  3. An sich eine tolle Sache. Hoffe es bewirkt auch tatsächlich was und endet nicht nur mit Lippenbekenntnissen wie leider so oft in der "hohen Politik".
    Aber wenn ich schon folgendes lese, ich zitiere:

    "Der Aktionsplan sieht vier Phasen vor, diese wären
    1. Analyse
    2. Beteiligung
    3. Strategie Entwicklung
    4. Veröffentlichung"

    Da kommt bei mir der Gedanke an einen alten Spruch auf:
    "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ' ich einen Arbeitskreis."

    Wie schon gesagt, hoffe ich, dass am Ende etwas Vernünftiges dabei herauskommt und dies auch um-GESETZ-t (welch Wortspiel!) wird.


    Aber Achtung(!):

    Ich finde übrigens ebenfalls, dass Transsexuelle in der Gruppe oftmals ein mehr als peinlicher Haufen sind.
    Jede/r einzelne könnte zu besserem Ansehen und Akzeptanz von Transmenschen in der Gesellschaft beitragen wenn er/sie sich etwas "normaler" geben würde. Denn sooo schlecht ist es um Transmenschen nicht wirklich bestellt. Am allerschwersten machen es sich m.E. die sogenannten "Jammertransen" selber, die anstelle ihre Chancen zu nutzen immer nur am jammern und meckern sind.

    Zudem finde ich auch, dass sich manche (auch ehemalige) Betroffene einfach viel zu intensiv und zu lange mit der Geschlechtsveränderung aufhalten und daraus quasi ihr "Lebensthema" machen.
    Die "Hardcore-Fraktion" solcher Menschen bezeichne ich gerne als "dauermissionierende Berufstransen". Die wissen immer alles (vor allem besser), haben aus ihrer Sicht einfach "DIE" Ahnung von der Materie und stellen sich Orientierungssuchenden (also solchen, die erst gerade für sich erkannt haben, in der falschen Geschlechtsrolle zu leben) in fast schon aufdringlicher Weise als "Mutter Theresa für Transgender" an deren Seite.

    Nur mal so zum Nachdenken:

    Wenn jemand das Geschlecht gewechselt (und alle dafür notwendigen Schritte und Maßnahmen hinter sich) hat, dann lebt er/sie im neuen und als von ihm/ihr "normal" empfundenen Geschlecht.
    Warum könnte der- oder diejenige einen Grund haben, sich auch danach so intensiv weiter mit dieser Thematik zu befassen?
    Wichtigtuerei? Nicht-loslassen-können von der eigenen Vergangenheit? Unzufriedenheit mit der eigenen Entscheidung?

    Mir jedenfalls gehen solche Mensch(inn)en tierisch auf den Keks und ich denke, dass solche auch maßgeblich für das manchmal negative Image von Transmenschen verantwortlich sind.

    Ich kenne einige ehemalige Transmenschen, die heute ungeoutet ein ganz normales Leben im neuen Geschlecht führen. Dazu gehört einfach auch, dass man sich nicht dauernd mit anderen Betroffenen umgibt sondern mit "normalen" Menschen und mit denen auch ganz normale Dinge tut und nicht ständig mit der "Trans-Leier" auf den Wecker geht.

    Viele nachdenkliche Grüße von einer, die auch mal in so einer Situation war und heute ebenfalls ein nahezu völlig normales Leben führt.

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    1. Auch wenn man als transidente Person endlich so lebt, wie man sich das immer gewünscht hat, dann mag es für viele Betroffene zutreffen, daß sie mit der Vergangenheit abschliessen, bis zu dem Zeitpunkt, wo die Vergangenheit sie einholt. Sei es das man einer transidenten Frau, ihre Vergangenheit ansieht oder man auf jemanden aus der Familie trifft, der einen wieder mit den alten Namen anspricht oder alte Bekannte, sei es, daß man wegen seiner Transidentität im Beruf gemobbt wird und den Arbeitsplatz verliert. Nicht umsonst liegt die Selbstmordrate bei transidenten Menschen höher als im Rest der Bevölkerung. Leider habe ich dazu keine verlässliche Statistik, aber ich habe leider selbst schon Bekannte verloren, deswegen.

      Das sind alles Tatsachen, die nichts mit "Nicht-loslassen-können" oder mit Jammern zu tun haben. Das sind Gegebenheiten, die ganz real sind und ich finde es sehr schön, daß es Menschen gibt, die sich für ihre und die Interessen der Gruppe engagieren, denen sie angehören. Selbsthilfearbeit ist wichtig, genauso wie der Hinweis der Politik auf die Mißstände die existieren. Es ist immer einfach zu jammern, sich über die Peinlichkeiten der Anderen zu echauffieren und über die Mißstände zu klagen, anstatt selbst etwas zu tun.

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  4. Ich habe ständig Kontakt zu Menschen, die ich von früher her kenne und die genau wissen was los ist/war.
    Nachdem aber zwischenzeitlich so viele Jahre vergangen sind kennen mich diese Menschen nur noch so wie ich heute bin und wie ich heute heiße.
    Dennoch habe ich mit der Vergangenheit abgeschlossen und rühre nicht wie viele andere Betroffene in der gleichen alten Jammer-Suppe gewürzt mit einer ordentlichen Prise Selbstmitleid.

    Es nutzt auch nix darüber zu jammern, dass man sich als Trans-Mensch schwer tut, einen neuen Job zu finden oder dass man sogar gemobbt wird. Da muss ich eben meinen Hintern hochkriegen und wie Du gerade so schön schreibst "selbst etwas tun." - Von nix kommt nix und die gebratenen Tauben fliegen einem nicht von alleine in den Mund.

    Übrigens: Mobben kann man nur jemanden, der sich mobben LÄSST.

    [IRONIE an] Also jemanden, der sich nur zu gerne in die Opferrolle begibt, weil man sich in dieser Rolle so "herrlich hilflos und ausgeliefert" fühlt und man so auch immer eine gute Ausrede hat warum man den eigenen Hintern nicht hochbekommt. Noch besser fühlen sich solche Opfer wenn zusätzlich jemand da ist, der einen dann richtig lieb betüddelt, einem die feuchten Tränchen abwischt und auch noch mithilft auf die bösen, bösen Mobber zu schimpfen. ***wunderbar,toll,fabelhaft*** [IRONIE aus]

    Mobbing hat mit kindlichem Verhalten zu tun. Jemand, der einen anderen Menschen mobbt zeigt damit, dass er eigentlich sogar Angst vor ihm oder dessen Andersartigkeit hat. (Stichwort: Macht kaputt was euch kaputtmacht.)

    Es ist daher für einigermaßen intelligente Menschen ziemlich einfach, beim Mobbing den Spieß herumzudrehen. Ja, es macht mitunter sogar einen höllischen Spaß, wenn man sich clever verhält und den anderen, der einen mobben will, ins Leere (oder wahlweise ins offene Messer) laufen lässt. Noch besser, demjenigen vor versammelter Mannschaft durch taktisch kluges Agieren (JEDER Mensch hat seine Schwachpunkte!) einen Spiegel vorzuhalten, in dem vor allem die anderen sehen wie DUMM sich dieser Mensch verhält und sich bis auf die Knochen blamiert.

    Also sei kein Opfer, handle klug und mit Bedacht. Begegne anderen mit Höflichkeit und Respekt, aber lass Dir auch nicht alles gefallen. Übe Dich in "seelischer Selbstverteidigung".

    Und noch etwas: Ich echauffiere mich nicht über die Peinlichkeiten der anderen. (Auch wenn ich mittlerweile den Begriff "Fremdschämen" durch meine Erfahrung mit anderen Betroffenen kenne.) Die sollen von mir aus tun was sie wollen. Aber anstatt ständig auf diese "intolerante, böse Welt" zu schimpfen wäre es oft genug angebracht, den Fehler bei sich selber zu suchen.


    Noch etwas zum Thema Selbsthilfearbeit:

    Selbsthilfearbeit im "Trans-Bereich" kann (normalerweise) für manche Menschen wichtig und auch richtig sein. Nicht aber wenn der/die Leiter/in einer Selbsthilfegruppe dogmatisch jeder/m Gruppenmitglied vorschreiben will wann er/sie was wie und wo machen, beantragen oder gar sich operieren lassen soll. - Das habe ich selbst bei einer Bekannten erlebt(!) und stehe daher solchen Selbsthilfegruppen ziemlich distanziert gegenüber.

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  5. Ich selbst gehöre noch zu den TS Menschen,die sich alles selbst erarbeiten mußten,inclusive der dazugehörigen Behandlung!Wenn ich heute diese Jammertransen sehe und höre,verstehe ich die Welt nicht mehr! Bekommen schon alles vorgekaut und das ist dann auch noch zu wenig! Ich habe vor kurzem eine TS bei RTL gesehen,sie war glaube ich aus Dssd. Sie hat wegen des transsexuellen Weges geheult,sah wirklich gut aus,hat alles bekommen,was sie will und ist immer noch unglücklich! Vielleicht macht man es den TS heute zu leicht,jedenfalls sieht es oft so aus,daß sie gar nicht wissen,wie gut es ihnen hier in D geht! Übrigens die,die so lauthals schreien ,sind meist hartz Empfänger und stinkend faul! Wenn die mit der gleichen Energie,die sie für ihre TS aufwenden ,arbeiten würden,wären sie alle ausgelastet und erfolgreich!

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