Sonntag, 28. August 2011

Erinnerung an Katja



Katja
Katja hat sich am 26.07.2011 selbst getötet. Was ihre genauen Beweggründe waren, weiß ich leider nicht. Sie war, soweit ich das mitbekommen habe, oft traurig und niedergeschlagen und ihr Rollenwechsel und ihre geschlechtsangleichende Operation hat sie anscheinend nicht in einen Zustand versetzt, mit dem sie zufrieden war. Sie suchte Liebe und Nähe und wurde doch von einem Teil ihrer Umwelt abgelehnt. Katja ist leider kein Einzelfall. Leider ist die Selbsttötungsrate unter transidenten Menschen besonders groß. Ich kenne dazu leider keine Statistiken, aber ich habe dies aus einer sehr zuverlässigen Quelle gehört. Ich empfinde es immer als sehr traurig, wenn ein Mensch keinen anderen Ausweg mehr sieht und sich selbst das Leben nimmt. Ich kenne zwar selbst auch solche Gedanken, aber doch nicht so, daß ich diesen Weg für mich jemals als einen Weg in Betracht gezogen hätte, den ich auch wirklich gehen würde. 

Anlässlich des Todes von Katja, haben Farah und ich, gestern ein Video aufgenommen, in dem Farah zum einen an Katja erinnert und zum anderen auf die strukturelle Diskriminierung von transidenten Menschen hinweist und was diese Diskriminierungen bei einem Menschen bewirken können.


Frau Dipl.-Sozialpädagogin Farah Z. erklärt die strukturelle Diskriminierung von
transidenten Menschen anhand eines Trauerfalls 
auf dem YouTube-Kanal von Transgender am Bodensee

Kommentare:

  1. Unsere Mitmenschen können durch ihre Ignoranz sehr grausam sein.
    Wie verzweifelt und einsam muss Katja doch gewesen sein wenn sie Suizid als einzigen Ausweg sah…
    Das tut mir so leid

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  2. Hi Angelina,
    ich kannte Katja leider nicht gut. Ich habe sie nur einmal kurz getroffe, als das Bild entstand, und danach nur noch selten mal was im Netz von ihr gesehen. Im Nachhinein stelle ich mir natürlich auch die Frage, hätte sie vielleicht keinen Suizid begangen, wenn ich mehr Kontakt zu ihr gehabt hätte und mich um sie gekümmert hätte? Aber ich glaube, wenn man auf dieser Schiene weiter denkt, dann müsste ich mich um jeden Menschen sorgen und versuche ihm zu helfen und das ist etwas, das ich als einfacher Mensch nicht zu leisten im Stande bin.
    Mir tut es auch leid, daß sie einfach so Schluß gemacht hat und keinen Ausweg mehr gesehen hat.

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  3. Ich kann es auf einer bestimmten Ebene (der Erfahrung im Umgang mit anderen Menschen) verstehen, warum wir so anfällig sind für Selbstmord.

    Ich könnte hier persönliche Gründe nennen, aber das wäre eine lange Liste. Ich nenne da mal nur die OP Probleme, welche sich bei mir über 5 Jahre zogen. Die große OP musste zwei mal gemacht werden, mehrfache Verkapselung der Implantate. Das dauerte von 1999 - 2004. Und kostete viel Kraft.

    Der Umgang mit anderen Menschen und wie die uns reflektieren. Oder auch mal mit einem Messer oder Hammer reagieren. :( Jede seelische Wunder, und sei sie noch so klein, lässt uns bluten ...

    Niemand sagt einem vorher, dass man danach weiterhin Probleme haben wird - neue und alte. Und damit wahrscheinlich alleine gelassen wird.

    Irgendwann hat man dann keine Kraft mehr ...

    Ich bin noch da, weil ich einen Weg fand, damit umzugehen. Aber selbst gewählte Einsamkeit war an sich nie mein Ziel. Und ist auch nicht wirklich eine Lösung. Sie belastet nicht nur mich, sondern auch meine Familie und Freunde. Und damit reflektiert mein Verhalten wieder auf mich zurück. Das alles kostet so viel Kraft. Bisher fand ich immer genug Reserven.

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  4. @Isobelle
    Danke für deine offenen Worte.

    Ich hoffe, wir alle finden auch in Zukunft einen Weg, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen.

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