Mittwoch, 11. November 2009

Depressionen

Nachdem sich gestern Nationaltorhüter Robert Enke seinem Leben selbst ein Ende setzte, weil er unter Depressionen litt, kommt dieses Thema in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Es wäre schöner gewesen, wenn dies auch ohne den Tod dieses sehr begabten Fußballers geschehen wäre. Aber wahrscheinlich muß immer erst etwas Medienwirksames passieren, bevor etwas auch entsprechend in das Bewußtsein der Öffentlichkeit rückt. Jedes Jahr sterben an dieser Krankheit mehrere tausend Menschen, ohne das dies in irgend einer Weise Thematisiert würde. Ja es ist sogar so, daß diese Krankheit verschwiegen wird, was sich gerade noch mal an dem Suizid von Robert Enke als fatal erweist.

Ich selbst hatte auch Zeiten, wo ich mich sehr niedergedrückt und schwermütig fühlte. So etwas hat glaube ich jeder schon einmal mitgemacht. Meistens ist diese depressive Verstimmung nur von kurzer Dauer. Erst wenn diese Phase über einen längeren Zeitraum nicht besser wird, spricht man von einer Depression. Bei mir ist das ganze noch nicht so lange her und ich vermute mal, daß es bei mir mit den Hormonen zu tun hatte. Seit ich nämlich die Dosis des Testosteronblockers gesenkt habe (nach Empfehlung meines behandelnden Arztes), geht es mir stimmungsmässig wieder besser. Als ich mich so mies gefühlt habe, war es für mich teilweise ziemlich schwer, meinen Alltag auf die Reihe zu bringen. Mir fiel alles sehr schwer und vor allem gab es fast nichts mehr, an das ich mich hätte erfreuen können. Ich fühlte mich wie unter einer Käseglocke. Keine Gefühle, weder Freud noch Leid und wenn, dann nur tiefe Traurigkeit, die mir manchmal vorkam, wie ein schwarzes Loch und die mich nach unten zog. Das Einzige, was mich damals noch erfreuen konnte, waren Bilder. Fotos oder Gemälde von Künstlern, die mich in diesem schwarzen Gefängnis erreichen konnten und mir zeigten, daß es noch Freude gibt. Aber auch selbst Bilder zu gestalten hat mir sehr gut getan.

Ich habe damals einmal versucht meinen Eltern meine Situation verständlich zu machen und ihnen gesagt, daß ich zur Zeit eine Depression habe. Als Reaktion kam nur: "Du hast doch keine Depression. Reiß Dich einfach zusammen, das bildest Du Dir nur ein." Klasse, da nimmt man all seinen Mut zusammen und erhofft sich in irgendeiner Weise Verständnis für seine Situation bzw. wünscht sich nur jemanden, der einen ernst nimmt und dann so etwas. Ich kann verstehen, daß für viele die Gefühlswelt eines Depressiven nicht nachvollziehbar ist, aber zumindestens etwas mehr Verständnis hätte ich damals schon erwartet. Gut, inzwischen geht es mir wieder besser, aber ich habe ständig das Gefühl, als ob ich auf einem Seil über einen Abgrund balanciere. Ich habe ständig die Befürchtung, daß ich nur einen falschen Schritt machen muß um wieder in dieses schwarze Loch zu fallen.

Was mir in dieser Zeit aber tatsächlich Besorgnis erregend vorkam, waren meine Gedanken an Selbstötung. Normalweise denke ich an so etwas nicht und ich lehne dies auch für mich ab. Nein, ich hatte damals in keinster Weise vor, mir selbst das Leben zu nehmen, aber alleine das ich so oft an Suizid dachte, auch wenn ich diese Option nie ernsthaft in Erwägung ziehen würde, machte mir doch etwas Angst. Es war einfach die Häufigkeit, wie diese Gedanken in mir hoch kamen. Ich kann denke ich, inzwischen jemanden halbwegs verstehen, der nur noch diese Option für sich sieht. Letztendlich möchte man ja nicht sterben, sondern nur, daß dieses unsägliche Gefühl endlich aufhört.

Was kann man gegen diese Krankheit tun? Nun ich denke, man sollte diese Krankheit ernst nehmen. Sie kann tödlich verlaufen und nicht nur für den Betroffenen das Leben zur Hölle werden lassen, sondern auch für die Angehörigen und Freunde zur Belastung werden. Ich kenne leider keinen Weg aus der Dunkelheit, aber ich weiß, daß die Nacht irgendwann zu Ende geht und die Sonne aufgehen wird.

Hier noch ein Link, der vielleicht weiter hilft:
www.kompetenznetz-depression.de

Ältere Beiträge mit ähnlichem Inhalt:
Im Burgcafe (23.11.2008)
Mir gehts nicht gut (26.02.2008)

Kommentare:

  1. Sehr schön geschrieben und leider nur zu Wahr. Viele wollen es entweder nicht wissen oder sie glauben den Betroffenen nicht. Warum ist es aber so, das man erst jetzt darüber redet und etwas darüber liest, es klingt fast so, als wenn es Früher erheblich weniger Depressionen gegeben hatte. Ist es vielleicht eine Krankheit unserer Zeit und wenn ja, möchte ich nicht wissen, was vielleicht noch alles auf uns zukommt.

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  2. Schön, daß Du etwas zum Thema geschrieben hast und so ehrlich. Ja, Gefühle, so ein Thema in unserer Gesellschaft. Am Besten sollen es die Schauspieler übernehmen. Man steht einfach über allem, den Spruch habe ich des öfteren gehört. Doch das Leben ist doch anders. Wer sich wundert, daß es unlebendig wurde, der hinterfrage das. Über allem stehen? Ist das sinnvoll? Dieser Sportler, so habe ich erfahren stand wie alle in hohen Positionen unter hohem Druck. Es ist sicher toll, erfolgreich zu sein und da oben zu stehen, aber der Preis ist ebenso hoch. Dauernder Kampf, diese Position zu erhalten und nie Schwächen zeigen zu dürfen, weil das ein Alphatier nicht tut? Der Preis ist sehr hoch, wie man sieht, denn eine Depression ist kein Schicksalschlag, sondern hat sich entwickelt, wie alle Krankheiten. Heute demaskiert sich unser System täglich, man muß nur hinschauen. Das sind alles Produkte davon, leider! Wenn ich laut lache (geht nicht anders) werde ich oft blöd angeschaut! Was mich jedoch nicht hindert. Ich gehe nicht in den Keller! Und wenn ich weine, daß die Mauer fiel, bekomme ich auch noch einen Hinweis, daß die doch alles vorher besser fanden. Was hat das damit zu tun? Alles schon fragwürdig und auch ein Preis der Verkopfung. Man möge mir meine klaren Worte verzeihen, auch da äußere ich mich ungeniert.

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  3. Hallo Michaela, Depressionen sind keine leichte Sache. Ich bin froh zu hören, dass es dir inzwischen wieder besser geht. Die Seele und jeder Mensch für sich sind ein so kostbares Geschenk!

    Viele Grüße, Julia

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  4. Hallo Michaela,

    damit es Dir nicht nur besser geht, sondern Du eine ordentliche Aufgabe hast. Bist Du hiermit nominiert für den Blogger Award.

    Guckst Du hier: http://pesuki.blogspot.com/2009/11/kreativ-blogger-award.html

    Gruß Pe-Su-Ki

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  5. Es geht wahnsinnig schnell daß man in dieses Thema reinrutscht. Auch wenn man sich als noch so stabil und glücklich sieht. Wenn man vom Psychologen gesagt bekommt, daß man da Anzeichen eines depressiven Anfalls zeigt und dann mit dem Ergebnis im Fall Enke im Kopf auf einen Abend im eigenen Leben zurückschaut, wo man es innerhalb weniger Stunden von glücklich bis hin zum Nervenzusammenbruch geschafft hat, dann ist das schon ziemlich erschreckend. Und es kann eben so irre schnell gehen. Kleines Problem auf das der Kopf einfach keine Lösung sehen kann/will und schon geht's ab. Im schlimmsten Falle eben komplett tragisch. Umso wichtiger ist es tatsächlich, daß das Thema breit und bewußt wahrgenommen wird und vor allem die Betroffenen ernst genommen werden. Nur durch Hilfe von allen Seiten besteht die Chance aus dem Teufelskreis der Depression herauszukommen.

    Finde es gut daß du das Thema aufgegriffen hast. Ganz besonders, da wir uns ja auch quasi in einer besonderen Risikogruppe befinden. Einerseits aufgrund unserer oft nicht ganz einfachen Lebensumstände, andererseits auch noch verstärkt durch die Hormontherapie (ich mag die Nebenwirkungsliste auf der Packungsbeilage gar nicht wirklich lesen).

    Drücke allen die Daumen, daß sie das Gefühl nie kennenlernen.

    Theia

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